Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 19.1908

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INNEN-DEKORATION

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des Kurhauses in Wiesbaden haben etwas Neues, das die
Gemüter in Bewegung setzt. Das Publikum gerät vor
diesen Bildern in Aufregung; Kenner gestehen kopf-
schüttelnd: das sei etwas Bedeutungsvolles. Fritz Erler's
Kunst hat wohl nur mit zwei Malern innere Zusammen-
hänge, mit Feuerbach und Böcklin..... Die Fresken

treten in eine Zeit erneuter Schiebungen. Was wir vor
zwanzig Jahren modern nannten, erscheint uns zum Teil
wieder überlebt, zum Teil nie modern gewesen. Und
doch gilt es gerade jetzt, die Errungenschaften der
Wenigen, die Entwicklung gebracht, auszugestalten. Wir
stehen vor dem Schauspiel, daß, während die bekannten
dekorativen Richtungen durch ihren Zenith gehen, ein neuer
Entwicklungsträger der dekorativen Malerei hervortritt.
Ich fasse die vollendeten Werke als eine volkstümliche
Tat auf und meine daher, es handelt sich an dieser Stelle,
nächst der Schilderung der künstlerischen Qualitäten dieser
Wandbilder und der Aufdeckung ihrer dekorativen Vorbild-
lichkeit, um eine kulturelle Einstellung für das deutsche
Publikum. . . . Sämtliche Fresken haben durchgängig den
Pulsschlag einer männlichen Kraft und Heiterkeit; sie stellen
einen seelisch aufrichtenden, einen fast physisch mitreißen-
den Gefühlsappell dar. Nichts Dekadentes, nichts Senti-
mentales ! Fritz Erler hat den Klang seiner »Jugend«-Bilder
ins Große, Volkstümliche, Neuklassische erhoben.....

dokumentiert. Das Staatsgebäude Deutschlands in Tokio
1912 müßte die ostasiatische Vorhut des Deutschtums
zu decken haben in kultureller Wiederstrahlung unserer
Mission in der Welt. Welcher Art auch die engere
Bestimmung des Gebäudes sein möge, ob Botschafts-
palais, das auch allem Unvorhergesehenen Rechnung
trüge — auch das deutsche Haus in St. Louis lag
etwas abseits der Ausstellung —, oder Klubhaus des
erweiterten Deutschtums, ganz gleich, dieses Repräsen-
tationshaus müßte nicht ein Wiederschein provinzieller
Bauweise aus irgend einem Teile Preußens, sondern
ein Monument des modernen deutschen Reiches, ein
Wahrzeichen deutscher Kultur sein! Nur so vermöchten
wir der Welt zu imponieren! o. schulze—Elberfeld.

FRITZ ERLER'S WIESBADENER FRESKEN. Das
soeben erschienene Januar-Heft der »Deutschen
Kunst und Dekoration« bringt in achtzehn wohlgelungenen
Reproduktionen die Erler'schen Wandbilder im Kurhause
zu Wiesbaden nebst einigen, gleichfalls noch nicht ver-
öffentlichten, dekorativen Bildern dieses Künstlers aus
älterer und neuerer Zeit. Dem begleitenden kritischen
Texte von Georg Muschner seien folgende bemerkens-
werte Sätze entnommen:

Kein Zweifel, Fritz Erler's Fresken im Muschelsaal
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