Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 19.1908

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT CARL MULLER—KÖLN.

Alts den Ausstelhcngs - Räumen der Firma. Aus-
führung: Rath cV Baibach, Hofmöbelfabrik—Köln.

einander stattgefunden, die ein strenges Scheiden des
Gewachsenen vom nur Übernommenen hindern, aber wer
kann wohl den Urvölkern Mexiko's und Peru's ihre schönen
architektonischen Gärten geschaffen haben ,von denen uns
die Conquistadoren begeistert erzählen?! Jede gesunde
kulturelle Entwicklung führt, unter anderem, eben auch
zum architektonischen Gartenbilden.

Und wir, wir fühlen noch heute unmittelbar oder doch
mittelbar auf so vielen Gebieten unserer sinnlichen Be-
tätigung das ewig pulsierende Leben jener längst ent-
schwundenen Kulturepochen und zehren davon — nur deren
einen, hochentwickelten Zweig haben wir verloren: den
schönen, vielbesungenen Garten.

Das Schicksal ist gerecht: Wir missen ihn mit anderen
Gründen deshalb, weil wir das allen, im Ausdruck noch
so getrennten Gartentypen bis in die letjte Zeit Gemein-
same, das ausgesprochen Räumliche mit leichtem
Sinn verachtet haben! Und wenn wir sehen, wie sich's all-
mählich steigend regt, wie's überall mit Wort und Tat zur
Umkehr ruft, was ist's im legten Sinne mehr als die Er-
kenntnis jenes Unterlassens, und alle praktischen Versuche
im neuen Gartenbilden, was sind sie schließlich anders als
ebensoviel Experimente zur leuchtenden Aufgabe: Wieder-
belebung der alten, schönen Gartenräume im neuen
Geiste! — R äu m e aber müssen nach tektonisch-baulichen

Gesehen gebildet sein, das bedarf keiner Erklärung. Also
auch im Garten. Deshalb ist der Begriff vom Gartenraum
von dem des geometrisch-architektonischen Gartentypus
nicht zu trennen; er ist mit ihm identisch.

Es ruft zur Umkehr! Wir wollen wieder lernen, den
Rhythmus architektonischer Linien auch im Garten zu er-
fühlen, wieder lernen in ihm zu leben, in ihm zu wohnen.
Dann aber holt sie flugs heran die hegenden grünen Hecken,
her die sicheren, rankenumkosten Gartenmauern, hinter deren
Schurj nur, unbeobachtet, ungezwungenes Familienleben sich
entfalten kann. Schafft wieder ehrliche, gerade Wege und
weite Plärje in euren Gärten, damit ihr nicht zu taumeln
braucht. Und als Wichtigstes: bringt Blumen und Grün
wieder zu Recht, d. h. jedes an einen Ort, den seine Eigen-
art verlangt, bestimmt weise Art und Zahl — baut wieder
rhythmisch gliedernd, denkend mit dem schönsten aller
Materialien, baut bewohnbare Gärten, Wohngärten!

LEBERECHT MIGGE.

&

KUNSTGEWERBE UND WIRTSCHAFT. Einem in der
Augustnummer der „Deutschen Kunst und Dekoration"
veröffentlichten Aufsat; Robert Breuers entnehmen wir
folgende bemerkenswerte Ausführungen:

„Unserem Kunstgewerbe mangelt eine stetige,
grad au f wac hsen d e Entwicklung; statt dessen
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