Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 19.1908

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INNEN-DEKORATION

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DAS WERDEN DER AUSSTELLUNG MÜNCHEN 1908
Es wird für viele unserer Leser von Interesse sein,
einige bemerkenswertere Einzelheiten über die Vorbereitungs-
Arbeiten für die Ausstellung „München 1908" zu erfahren.

Die Arbeiten, die einen enormen Aufwand von Zeit und
Mühe fordern, sind schon recht weit fortgeschritten. Eine
genaue Übersicht freilich ist zurzeit noch
nicht möglich. Aus diesem Grunde können
auch die folgenden Angaben nur auf an-
nähernde Richtigkeit Anspruch machen.

Die Zahl der bis jetzt angemeldeten
Aussteller beläuft sich auf ungefähr 900.
Täglich laufen neue Anmeldungen ein.
Doch sind schon jetzt die Hallen beinahe
besetzt, in einigen Hallen herrscht sogar
schon Platzmangel.

Eine Übersicht über alle Gebiete, aus
denen Anmeldungen kommen, hier zu geben,
würde zu weit führen. Nur die am stärksten
vertretenen und größeres Interesse bean-
spruchenden Gebiete seien genannt.

Die Maschinen- und Lokomotiv-
fabriken, das gesamte Gebiet der Bau-
technik, das Beleuchtungswesen mit Vor-
führung verschiedener Lichtarten, die
Kunstschlossereien, Bronze- und Kupfer-
schmiedwerkstätten, die Zinngießereien,
die Nahrungs- und Genußmittelindustrie
einschließlich der Brauereien — alle
diese Gruppen werden glänzend ver-
treten sein.

Nicht minder zahlreich aber sind die
Anmeldungen aus dem Gebiete des
Schmuckgewerbes, der Toilette-Artikel,
der Textil- und Teppich-Industrie.

Besonders bedeutend werden natür-
lich die Abteilungen für Kunst und
Kunstgewerbe sein und es soll eine
Reihe von ganzen Räumen zur Aus-
stellung kommen: Neben einer großen
Anzahl von Gebrauchsräumen eine statt-
liche Reihe von mehr repräsentativen
Räumen; die Einrichtung eines Lloyd-
dampfers, einer städtischen Bibliothek
mit Lesezimmer, mehrerer Musikräume,
Büro- und Geschäftsräume; ein Kirchen-
raum, ein Friedhof.

Ein kleines Museum für Kunstgegen-
stände aller Art soll zeigen, wie eine
solche Aufgabe in entsprechender Weise
von einer kleinen Stadt gelöst werden kann.
In besonderen Räumen wird das

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Schaffen der bedeutendsten Künstler, die für München von
Wichtigkeit sind, übersichtlich und nach Möglichkeit voll-
ständig gezeigt werden. Besonders die Architektur wird,
wie sich heute schon feststellen läßt, sehr stark vertreten'sein.

Auch von der Bedeutung der Münchener Reproduktions-
anstalten wird die Ausstellung zeugen.

Natürlich beschränkt sich die Aufgabe
der Künstler nicht bloß auf die zuletzt
genannten Objekte. Vielmehr wird gerade
das Neue der Ausstellung darin
liegen, daß die Mitarbeit der Künstler
auf allen Gebieten deutlich wird.

Alle zur Ausstellung gelangenden
Gegenstände werden künstlerisch zu-
sammengestimmt, durch die Ausstellung
mit dem Raum in Verbindung gebracht.

Aber darüber hinaus arbeiten die
Künstler mit den Geschäftsleuten und
Handwerkern zusammen an einer mög-
lichst geschmackvollen Durchbildung der
auszustellenden Objekte, natürlich unter
Berücksichtigung der besonderen Technik,
und legen Entwürfe vor.

Im Vergnügungspark suchen die
Künstler mit einfachen Mitteln vornehme
dekorative Wirkungen zu erzielen.

Täglich macht eine Reihe von Künst-
lern des Ausschusses Besuche bei den
Firmen und Handwerkern, die sich an
der Ausstellung zu beteiligen beabsich-
tigen. Dadurch soll ein Einverständnis
hergestellt werden, das für die einheit-
liche Wirkung der Ausstellung von großem
Nutzen ist. Oft werden die Aussteller
erst durch diese Besuche deutlich unter-
richtet, welche Absicht die Ausstellung
verfolgt, welcher Nutzen für die Aussteller
gerade in dieser Absicht liegt — weil es
sich hier um eine für die Zukunft be-
deutende Sache handelt -, und oft wer-
den erst bei diesen Besuchen ganz vor-
treffliche, für die Ausstellung sehr ge-
eignete Leistungen, die aber von den
Ausstellern kaum beachtet werden, ent-
deckt, und es wird so den Ausstellern ein
großer Dienst geleistet.

Eine Reihe von Wettbewerben
wurde teils ausgeschrieben, teils folgen
sie noch: Entwürfe für Beleuchtungs- und
Flaggenmasten, für Münchener Andenken,
für Postkarten u. a. sollen auf diese Weise
der Ausstellungsleitung zukommen. —
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