Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 19.1908

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INNEN-DEKORATION

Arbeiten der Firma Anton Pössenbacher-München.

Daumkünstlerische Gebilde haben auf großen kunst-
*■ » gewerblichen Aussielhmgen gewöhnlich einen harten
Stand. Die erste Anforderung, die man heute an sie
stellt, ist die, daß sie einem bestimmten Zweck und be-
stimmten baulichen Verhältnissen entsprechen. Da diese
Vorbedingungen bei einer Ausstellung von vornherein
nicht gegeben sind, müssen sie geschaffen oder wenig-
stens vorgetäuscht werden. Und da dies oft genug nicht
angeht, müssen sich kompliziertere Raumschöpfungen
dieses öffentliche Auftreten häufig versagen.

Auch auf der Ausstellung München 1908 hat man
in vielen Fällen das Gefühl, daß z. B. Zimmereinrich-
tungen nicht den geeigneten Raum gefunden haben, die
ihnen die volle Entfaltung ihrer Tugenden gestattete.
Öfters entsprechen die Lichtverhältnisse und die Grund-
risse, die Höhenmaße und die Plafondgestaltung selbst
bescheidenen Anforderungen nicht. Und darunter leidet
die Wirkung, weil ein Zimmer in erster Linie ein Raum-
eindruck ist, den die Möbel nur zu stützen und zu
pointieren haben — vom ästhetischen Standpunkte aus.

Die Jagdschloßhalle der Firma Pössenbacher macht
hier eine Ausnahme. Es handelte sich hier um einen

Raum, der beinahe zwei Stockwerke hoch gedacht ist,
so daß etwa im letzten Drittel seiner Höhe seitlich ein
Korridor verläuft. Die Fenster und den kleinen Erker-
vorbau dieses in die Halle hereinschauenden Langraumes
hat man hier dargestellt und damit diesen Korridor
eigentlich selbst geschaffen, so weit er nämlich für die
Halle dekorativ wirksam wird.

Es ist erstaunlich, wie sehr der ganze Raum da-
durch an Leben, an Fülle des Eindruckes gewinnt. Man
bekommt durch diesen kleinen, hölzernen Fenstervorbau
ein so deutliches Gefühl des ganzen Hauses, daß man
den Raum in seiner Bedeutung für den Hausorganismus
so gleich viel besser versteht. Es werden dadurch Be-
ziehungen hergestellt, die sehr reizvoll sind und den
Raum in seiner Stimmung ganz bedeutend verstärken.

Heinrich Pössenbacher, der junge Inhaber der
Firma, zeichnet selbst als Architekt. Die Leistung
macht ihm alle Ehre, denn ich zähle gerade diesen
Raum zu den gelungensten Schöpfungen der Ausstellung.
Er hat zwar nicht diejenige dekorative Linie, die in
München eben en vogue ist, aber er ist eine selbst-
ständige Schöpfung aus dem Geiste der deutschen
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