Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 19.1908

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT WILHELM SCHMIDT—WIEN. Bibliothek des Schriftstellers Victor Leon in

Wien. Lärchenholz mit schwarzen Leisten.

ARCHITEKT WILHELM SCHMIDT.

VON DR. PAUL STEFAN — WIEN.

Wir berichten diesmal von einem Vertreter
des stetigen gesunden Fortschrittes der
Wiener Innendekoration, von dem Architekten
Wilhelm Schmidt. Der junge Künstler ist ein
Deutschböhme, 1880 in Grulich geboren und Schüler
der Wiener Kunstgewerbeschule. Er hat da die
bestimmenden Eindrücke empfangen, als noch
Baron Myrbach die Anstalt leitete. Dieser öster-
reichische Reiteroffizier und Schlachtenmaler berief
Hoff mann, Moser, Czeschka, Roller, Metzner an
seine Schule, und das zu einer Zeit, da halb Wien
ein unsinniges Phäaken-Geschimpf über die »sezes-
sionistische« Kunst erhob. Josef Hoff mann wurde
alsbald auf unsern Schmidt aufmerksam und empfahl
ihn gern als seinen Lieblingsschüler. Nachdem die
Lehrjahre geendet hatten, war Schmidt kurze Zeit
für die Möbelfabrik F. O. Schmitt tätig, für die
Adolf Loos soviel getan hatte. Bald darauf, im

Jänner 1903, berief ihn die Prag-Rudniker Korb-
warenfabrik, die den Lesern der »Innen-Dekoration«
gleichfalls wohl bekannt ist, in eine leitende Stel-
lung, die er noch gegenwärtig inne hat.

Der größte Teil der reizenden und soliden
Möbel dieser Firma ist von Schmidt entworfen.
Es handelt sich dabei keineswegs bloß um Möbel
aus Flechtwerk, sondern es ist gerade an den
besseren Stücken ein gut Teil Tischlerarbeit zu
leisten. Hierzu hat Schmidt einen Wiener Meister
herangezogen und es ist ihm nicht ohne Mühe ge-
lungen, die Arbeit stil- und materialecht herstellen
zu lassen. Denn nichts ist, hierzulande wenigstens,
schwerer, als die Handwerker zu der einst berühmten
Tüchtigkeit und Gediegenheit zurückzuführen, von
der sie die jämmerliche Unkultur der 70 er und
80 er Jahre so weit entfernt hat.

Die von Schmidt für die Firma gezeichneten
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