Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 19.1908

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INNEN-DEKORATION

INNEN-ARCHITEKT MATHIAS FELLER.

In verhältnismäßig jungen Jahren hat Feller schon oft
*■ Gelegenheit gehabt, vor große Aufgaben gestellt zu
werden und sich als tüchtigen Könner zu bewähren.
Als das Kaufhaus des Westens in Berlin eingerichtet
wurde, war er bereits an exponierter Stelle tätig, die
künstlerische Gestaltungskraft wie organisatorische Energie
reichlich in Anspruch nahm. Jetzt hat ihn die Hof-
möbelfabrik Ballin, die in dem Gedränge des Umsturzes
einen künstlerischen und gewerblichen Ruf zu ver-
teidigen hatte, als leitenden Architekten bestellt. Ein
junger Künstler, der die Dreißig noch nicht erreicht
hat, kann einen solchen verantwortungsschweren und
aufreibenden Posten nur mit äußerster Energie be-
haupten. Es ist klar, daß diese Umstände auf das
Schaffen eines jeden Einfluß haben müssen. Die phan-
lasievoll träumerischen Entwürfe entstehen in der Stille
des Künstlerateliers, wo man das freie Spiel der Laune
von keinen Rücksichten, von keinen geschäftlichen Er-
wägungen gestört wird. Allein wer nützen will, muß
sich ins Getriebe der Fabrik, in das Netz der Not-
wendigkeiten stürzen. Der Träumer wird nur zu leicht
ein enttäuschter, verärgerter Pessimist.

Die Arbeiten Fellers haben keine Spur von Ro-
mantik. Es ist — sehr im Gegensatz zu anderm
modernen Kunstgewerbe — nichts Weiches und nichts
Weibliches in ihnen. Jede Sache ist geradenwegs in
Angriff genommen und mit energischer Faust konstruiert,
keine Spielerei, keine Schrulle durfte den raschen Gang
des Aufbaus hemmen. So fordern denn auch die
Gegenstände nicht zu längerem sinnenden Betrachten

heraus. Sie bergen keine Geheimnisse, sie tragen auch
keine Spuren mehr vom Ringen mit dem Problem.
Rasch war das Wesen der Aufgabe erkannt und rasch
eine leichte glatte Lösung gefunden. Feller ist ein
Prosaiker. Die feine Ausziselierung seiner Gestalten
macht ihm nicht viel Mühe und Gewissensbisse. Haupt-
sache ist ihm, daß seine Arbeiten sachlich gut und
formell reinlich sind. Das Ornament scheint ihm nicht
viel Vergnügen zu machen. Es ist da an den Stellen,
wo man es zu erwarten pflegt. Es ist aus Konvention
vorhanden, mehr geduldet als gesucht. Der Künstler
benötigte es nicht, um von sich zu erzählen, um seine
Spiellust zu befriedigen. Das gilt aber auch von den
Räumen im ganzen. Sie sind nicht von Künstlers
wegen da, sie dienen nicht als Instrumente, eine Persön-
lichkeit auszuprägen. Darum haben sie auch keine
psychologischen Reize, sondern nur sachliche Vorzüge.

Die Möbelfabrik M. Bällin zeigte auf der großen
Ausstellung München sieben Räume, die alle von Feller
eingerichtet waren. Gemeinsam ist ihnen die Güte der
kunstgewerblichen Arbeit, besonders ist die Schönheit
des Holzes vorzüglich zur Geltung gekommen. In dieser
Folge von durchaus gediegenen, von allen Mätzchen
freien, nur durch die Wucht der sachlichen Qualitäten
wirkenden Räumen war die Abteilung Ballins eine der
eindrucksvollsteh auf der Münchner Ausstellung. Sie
war namentlich frei von den in München so lange
üblichen Kompromissen und Zaghaftigkeiten, Einheit-
lichkeit des Programms und Energie der Durchführung
machten sie zu einer überzeugenden Demonstration.
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