Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 19.1908

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INNEN-DEKORATION

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dem größten Raffinement gezeichnet sind und dennoch
in der Erfindung der dargestellten Gegenstände nichts
von Musterzeichnerei verraten. Man sieht Möbelgruppen
und Raumstimmungen; die einzelne Möbelform aber
tritt diskret zurück. Der Künstler, der diese Skizzen
entwarf, fühlte sich nicht als Zeichner. Er dachte
nicht an Atelier und Geschäft, nicht an Reklame und
Aufträge, sondern gab sich ganz einer träumenden
Sehnsucht hin, die, aus seinen geheimsten Wünschen
geboren, ihm allerlei häusliche Stilleben vorgaukelte.
Ehe er zu zeichnen begann, hatte der Künstler schon
eine lange Reihe von Metamorphosen durchlaufen. Erst
war er Hausherr; als solcher disponierte und projektierte
er Haus und Räume nach seinen persönlichsten Wünschen;
dann war er Maurer und Zimmermann, führte Mauern auf
und fügte die Balken; als Tischler kleidete er die Wände
mit Paneelen und schreinerte die Möbel zurecht, um
dann schließlich mit der ganzen lustvollenHingabe des neu
Eingezogenen all die großen und kleinen Gegenstände
am passenden Ort zu plazieren, das notwendige Ge-
brauchsgerät von dem überflüssigen und doch so lieben
Zierrat (hauptsächlich Raritäten, Andenken u, a.) anmutig
umrankt. Damit war auch das Bild des Raumes in
der Phantasie reif und voll geworden und es blieb nur
noch übrig, es getreu zu Papier zu bringen. Das
geschah in dem gleichen Stil träumerischen Spiels, aus
dem von Anlang an all diese Ideen und Notizen ent-
standen waren. Aber nicht bloß Laune steckt in diesen
Erfindungen, sondern auch recht viel Seele. Sie sind
ja wirklich von innen heraus geworden, Verkörperungen
einer lebendigen, seelenvollen Vorstellung. Ob dagegen
die Formen mehr deutsch oder mehr englisch, mehr
modern oder mehr historisch sind, das ist weit
schwieriger zu sagen, und im Grunde nebensächlich.
Die Einzelfonnen haben hier gar nicht die ausschlag-
gebende Bedeutung wie sonst, darum sehen wir ohne

Schaden für den Gesamteindruck oft die verschiedensten
Stilelemente vermischt. Das ist sicher, in diesen
Räumen würde sich's angenehm wohnen, und insofern
ist der rechte Stil jedenfalls getroffen. a. jaumanx.

£

Hessische Landes-Ausstellung 1908.

Im Ausstellungsgebäude für angewandte Kunst
wird die Raumkunst und Wohnkunst ihren vielseitigsten
Ausdruck finden, sofom diese nicht als besondere Klein-
wohnungskunst den, zu einem „Arbeiterdorf" vereinten
6 Häusern zugewiesen wurde.

In dem nach Plänen Professor Albin Müllers errichteten
Gebäude wird die Abteilung der Staatsausstellung, die
monumentalen Räume wie Schwurgerichtssaal, Präsidenten-
zimmer, Richterbibliothek, Repräsentationsraum der Grofj-
herzoglichen Lehrateliers etc. dem Haupteingang zunächst
gelagert; die Ausstellungen der Schulen usw. sind seitlich
angegliedert. Im rechten Flügel befinden sich, in der Form
eines großen vornehmen Hausstandes: Vestibül, Diele, Halle,
Wintergarten, Bibliothek, Herren- und Damenzimmer, Musik-
salon und Ef3zimmer und anschließend an diese Räume die
Anrichte, Küche und Bureau. Vom rechten Flügel sowohl
als auch vom linken Flügel des Gebäudes führen Treppen
zum Obergeschoß, wo Schlaf- und Ankleidezimmer, Bad,
Kinderstube, Frühstückszimmer und mehrere andere Wohn-
räume untergebracht sind.

Um einer Ermüdung und Übersättigung vorzubeugen,
liegen zwischen den Ausstellungszimmern verstreut ver-
schiedene Ruheräume, Blumenhöfe und Wandelgänge. So
gliedert sich der Wohnungsanlage ein Brunnenhof an, um den
die Fürstenbäder Nauheims gruppiert sind. Von dem Brunnen-
hof führt ein offener Säulengang um den vorspringenden
Halbrundbau der Verkaufsläden herum, an den Schaufenstern
vorbei in den Garten und zur Architektur-Ausstellung, sch.

CAMPBELL & PULLICH
Hr.KI.l.N.

TISCIU.AMI'K. KICHKNHOI.Z MIT
LKDBRßBZ.UG U. MliSSINti-NAGKLN.

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1908. VI. 2.
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