Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 19.1908

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NEUE ELEKTRISCHE BELEUCHTUNGS-KÖRPER.

Die formale Frage einer einfacheren oder kom-
plizierten Beleuchtungsanlage zu lösen, wird nie
so gänzlich ohne Schwierigkeiten gelingen. Wie soll
der Plafond ausgebildet werden? Darf sich der licht-
tragende Reif knapp an die Decke schmiegen oder
sollen die Beleuchtungskörper tief herniederhängen ? Soll
alles Licht von einer Zentrale ausschwingen oder geben
wir ein und demselben Räume besser mehrere Quellen?
Und die farbig verhangenen Lichtkörper: sind sie die
eleganteren, sinds die einfachen weißen? Man sieht,
gleich ein kleiner Korb voll Fragen. Der Ersatz für
Tageslicht in unseren Räumen ist nämlich keine
Kleinigkeit! Denn das milde, weiße, elektrische Licht
oder das farbig abgetonte kann sowohl zum pracht-
vollsten , festlichsten Schmuck eines Interieurs werden
als auch zu etwas unerträglichem. Es soll eben in
seiner Intensität, in seiner
dekorativen Anordnung, in
seiner herniederströmenden
Farbflut ein schönes Gegen-
gewicht zur Raumhöhe und
dem Raumausmaße, zur Aus-
stattung des Interieurs, zu
dessen Möbeln, Linien und
Farben bilden — wie eine
Melodie ohne Worte soll uns
das ruhige, glanzvolle Licht
gefangen nehmen. — Unsere
jüngeren Raumkünstler und
Innenarchitekten, dann aber
auch die, welche in Zierrat,
Schmuck, Metall und dergl.
tätig sind, haben sich die
Kultur des Lichts angelegen
sein lassen und dort und da
wahrhaft Märchenartiges ge-
schaffen. Freilich, nicht leicht
noch ein Gebiet ist so dank-
bar als gerade das, von dem
diese Zeilen handeln. — Das
Licht! Ist es nicht ein Ewig-
Unbegreifliches? Heine spricht
schmuck und graziös von
den »trostverheißend goldnen
Lichtern«. Die morgenlän-
dischen Sagen und die ara-
beskenbunten Gesänge des
Orients wiederleuchten von
der Glut tiefer Ampeln, und
wenn wir in dem großen,
alten Buche, Geschichte ge-
nannt, blättern — welchen
Glanz und Schauer, welche
tönende Festesfreude und
schwarze Schatten verbreiten,
strömen aus, legen da der
»siebenarmige Leuchter«, die
Fackeln des goldnen Roms
und die grauenhaft grandiosen
Flammen sterbender Ghristen.

STD L'TGAR'

Sie ist wohl kaum geschrieben worden — aber eine
Geschichte aller Lichtträger der Menschheit zu schreiben,
es müßte eine interessante Aufgabe sein. Oft kehren
alte Formen, dasselbe Material wieder, doch für die
jüngste Zeit gilt dies nicht; die hat sich auch im
Beleuchtungskörper Neuheiten und Freiheiten erlaubt.
— Sie hat auch alte und moderne Techniken zu Hilfe
genommen und so viel des Interessanten, des Reizvollen
auf den Markt gebracht; schade nur, daß man in der
Mietswohnung noch so wenigem von all' diesen Dar-
bietungen begegnet. Im luxeriösen Interieur begegnet
man ja dem schon Mode gewordenen elektrischen
Beleuchtungskörper häufiger und häufiger, ein Umstand,
mit dem die Industrie rechnen darf; kein Wunder
also, daß sie vorzugsweise das teuere Genre pflegt.
Allzu billig werden übrigens diese kunstgewerblichen

Werke nie werden, denn das
Licht verlangt gebieterisch
nach edler Fassung, und
schöne Metalle, wertvolle
Steine, kostbare Stoffe, Perl-
mutter und andere erlesene
Materialien kosten eben Geld.
Besonders in Metall wird
heute viel gearbeitet. Ich
meine das so, daß die Linie
aus Bronze, leuchtendem oder
getöntem Messing, daß die
Flächen aus grauem Stahl,
rotem Kupfer, daß ein Rahmen
aus schwarzem Metall die
architektonische Form be-
streiten, bilden und schaffen
helfen. — Wir wühlten soeben
in Kostbarkeiten herum. Aber
sind es echte? Ist nicht oft
ein bischen Theater dabei?
Das heißt, was da unter den
Beleuchtungskörpern bei Tage
funkelt und gleißt — hält es
noch Stand, wenn das Licht
erblüht, erglüht ? Und andern-
teils . . . die Anlage, die
meinen Raum abends und
nachts mit dem Rhythmus
weißen Lichtes erfüllte, ist
sie am Tage nicht schier tot,
ein blinkender Metallreifen
einfach ? Das ist es näm-
lich: ein guter Lichtträger
soll am Tage immerhin gut,
elegant, des Nachts aber ge-
radezu zauberhaft wirken. Da
sollen dann aufleuchten die
Silbertöne und erwachen der
mondgraue Schimmer kost-
barer Perlmuttermuscheln an
seiner Basis, da einzelne
Laterne verbunden Smaragde sich herrlich grün
mit Firmenschild. von den weichen, weißen
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