Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 19.1908

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CARL HEMMING- DÜSSELDORF. OBERLICHT AUSGEFÜHRT
VON FRITZ HAUSWALD, WANDSTUCK VON FINK UND HAAR-
FELD, HOLZWERK VON HERMANN BUYTEN - DÜSSELDORF.

Bibliothekraum. Oberlicht: weiß-opal; H 'and-
stiick: weiß mit Goldlinien; Holzwerk: Kirsch-
baum naturpoliert mit brauner Einlage.

DER „SEMPERBUND" DÜSSELDORF.

Ein glücklicher Zusammenschlug ist der Semperbund,
der sich aus einer Reihe von Handwerkern oder hand-
werksmäßig- arbeitender Firmen zusammenseßt, denen die
Beseitigung mißlicher Zustände am Herzen liegt. Der Kern
der Bestrebungen ist die Stärkung des Selbstbewußtseins
der Mitglieder und der Kampf gegen die fabrikmäßig her-
gestellte Bazarware auf den vielen Gebieten des Kunst-
gewerbes, gegenseitige Erziehung und Belehrung und nicht
zuleßt — Kritik, kameradschaftlich aber streng. Dem Nach-
wuchs soll gelehrt werden das Material zu meistern, um
dann durch wirkliches Können, nicht aber durch Kopieren
oder sinnloses Streben nach besonderer Originalität die
Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und zu fesseln.

Der „Semperbund" übernimmt jeden Auftrag, der im
Rahmen des Kunstgewerbes liegt, verteilt aber die Aus-
führung an die einzelnen Mitglieder. Diese führen die
Arbeiten nach eigenen oder fremden Entwürfen aus, arbeiten
aber nach gemeinsamer Verständigung dem gleichen Ziele
zu. So teilt denn der Semperbund jedem Mitglied nur das
zu, worin es Spezialist ist, um schon im Voraus eine
gewisse Garantie für die Güte des Auszuführenden zu
haben, zum Nurjen des Bestellers. Der Auftraggeber

legt seinen Auftrag in eine Hand und hat nicht nötig,
mit einem Dußend verschiedener Lieferanten zu verhandeln
und zu vergleichen, wodurch ihm viele Unannehmlichkeiten
erspart bleiben.

Selbstredend steht es jedem Mitglied frei, sich selbst
Aufträge zu suchen, wo es solche findet, denn die Selbst-
ständigkeit soll nicht angetastet werden. Dagegen soll der
Ehrgeiz des Einzelnen durch das Zusammenarbeiten mit
verwandten Geweiben angeregt und wachgehalten werden.

Die Übertragung der Gesamtausführung des neuen Trau-
zimmers für die Stadt Düsseldorf war eine Anerkennung für
den Semperbund; gleichzeitig hatte die Stadt die vorjährige
Ausstellung des Bundes (in den Räumen der deutsch-
nationalen Kunstausstellung) mit 10 000 Mark subventioniert.
Neben den dekorativen Künsten waren die Goldschmiede und
Buchbinder mit circa 100 Objekten vertreten, ein Beweis
für die erfolgreichen Bestrebungen des Semperbundes,
jeden Zweig des Kunsthandwerks zu berücksichtigen.

Unsere Illustrationen zeigen einige der auf der vor-
jährigen Ausstellung ausgestellten Stücke, sowie einen eben-
falls für diese Ausstellung gefertigten Bibliothekraum und
eine schon früher fertiggestellte Diele. — b. v.
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