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Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 27.1916

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https://doi.org/10.11588/diglit.10023#0241

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INNEN-DEKORATION

213

I

»detail zu nebenstehender malerei« gartenbau-ausstelluno altona 1914

einfachen, zu stilisieren, überhaupt anzuwenden. Es kann los, wertlos. Dieser tiefgehende Unterschied wird gar
zeitlos sein, stillos — wenn ihm nur die innere Rhythmik, oft beiseite gelassen, und das Kunstgewerbe mit dem
wenn ihm nur sein eigenes Gesetz nicht mangelt. Luxus verwechselt. — Man vergißt, daß alles Kunstge-

Auf Schmetterlingsflügeln, auf herbstbunten Blättern werbe mit einem Gebrauchsgegenstande verbunden sein
ahnen wir etwas von jener Rhythmik, die das ganze Welt- muß. Ein schön geformter Eimer gehört ihm an wie die
all durchklingt, die als Gefühl in unsrer Brust lebt. »Alle Villa des Millionärs, und so schön und reich diese Villa
Wissenschaft führt zu Gott«, sagt Spinoza. a. m. schwindt. ausgestattet ist, ein Luxus würde sie erst dann, wenn
* sie ihren Zweck als Wohnbau nicht

UNSTGEWERBE U. LUXUS. i^Mg^H erfüllte. Der Luxus beginnt, wo

\ Die Liebe zum Zierat, die ange- ^^^^^^fc. ^er Zweck verstummt. Er kann mit

borene Freude des Menschen, sich ■^t0^^^^^^ttt^' einem Gebrauchsgegenstand ver-

und alles ihm Wertvolle zu schmük- bunden sein, aber er muß es nicht,

ken, ließ Kunstgewerbe und Luxus '"^B^Hr "1 Wenn die Knöpfe eines Kleides mit

entstehen. Beide bilden Verschöne- echten Steinen geschmückt sind,

rung unseres äußeren Menschen und wenn der weiße Damast des Tafel-

unserer Umgebung, beide sind Kin- tuchs von Brüsseler Spitzen durch-

der der Schöpferfreude und des brochen wird, wenn in der ver-

Überflusses, und doch trennen sich M^fel i ft schwiegenen Ecke des Gartens ein

ihre Wege an der Schwelle der Nütz- B * Teehäuschen seine verschwenderi-

lichkeit. Kunstgewerbe bedeutet A sehe Pracht für die kurze Zeit eines

das nützliche Schöne, Luxus das j+ Fünfuhrtees öffnet, wenn goldene

schöne Unnütze. Luxus wählt sich Bw7 I VI; Spangen Arm und Haare zieren,

zum Gemahl die Verschwendung, Wfr f I dann dürfen wir von Luxus reden.

Kunstgewerbe schreitet mit der bür- Leider tun wir das immer mit einer

gerlichen Brauchbarkeit zum Altar. Vk' < gewissen moralischen Verurteilung.

Ein kunstgewerblicher Gegenstand Die Moral verlangt Zwecke des

kann künstlerisch in seiner Form Handelns, der Luxus verwirft den

mißraten, er bleibt dennoch brauch- - ^J^^^^^^^^^^B^ /weck. Ein Kind des Überflusses

l>ar. Wir erleben das täglich an MflH ÜH^ttV^ fragt °r n'C'11 Notwendi2keit-

Dutzendstühlen, an Muschelkommo- nach Zweckmäßigkeit; Freude und

den, an Gläsern. Verliert der Luxus Glanz allein ist seines Daseins ein-

seinen Platz im Reich des Schönen, ziger Wert, und so will und soll er

dann ist er, da nutzlos, auch heimat- unke figur von obiger Wandmalerei genommen sein. dr. rob. corwegh.
 
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