Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

KUNST IST VOLLENDETES LEBEN

WORTE VON ANDRE SUARES

Wir leben nicht von Theorien. Das Gute am Volk
ist, daß es nicht von ihnen satt wird, auch wenn
man es damit füttert. . Für den Künstler gibt es keine
andere Richtlinie als: Leidenschaft zum Leben und
zu den Gegenständen. Der Künstler führt seiner
Kunst alle Kraft und alle Freude zu, kurz: die ganze
Wirklichkeit, die er dem gewöhnlichen Leben entzieht..
Die äußere Welt erregtund berauscht; sie bietet dem
Menschen Geheimnis, Überraschung und berauschen-
des Wunder ohne Endel Das Leben ist die Einladung
zum Traum. Man muß sich von ihm betören lassen. .

Wie sehr ist das Leben: Weib! Wie ist es durstig
und schmerzhaft, toll und ganz weise, verloren in einer
Unendlichkeit von Kleinarbeit. Ja, immer toll und wild
bis in die Weisheit hinein, am Verlangen sich in dem
Maße verjüngend, wie es dieses erschöpft. Immer er-
wartet dieses Weib den schicksalbestimmten Geliebten,
der sie erneuert, bändigen kann, befruchtet.. Seid solche,
die das Leben grenzenlos miterlebenl Wachet am
Herzen der Schöpfung! . Die Schöpfung ist ein
Werk der Geduld und Liebe. Wo Schöpfung ist, ist
Schmerz . . Wo immer Leben geordnet wurde, ist glück-
lich der, der innerlich glüht und in seinem eignen Brand
aufgezehrt wird — sodaß nichts bleibt für das Dunkel,
das voll Grauen ist, kein Staub, der träge vermodert.

Die Gegenstände sind nur in dem Maße wirklich, als
sie geschaffen werden. Der Geist sinnt trunken über
ihre Erneuerung nach, und das Kunstwerk verwirklicht
sie vollends. Wir wollen wir selbst nur sein, um diesen
köstlichen Traum uns zu erhalten, um seine Herrlichkeit
zu erfahren und immer besser kennen zu lernen, — um
ihn ohne Aufhören zu schaffen und immer wieder zu
scharfen .. Der Tod ist überall, wenn ein Gott nicht das
Leben von Augenblick zu Augenblick schafft und es
unaufhörlich in seiner eigenen Asche wieder entzündet 1



Eine vollkommen gewordene Form ist immer klassisch.
Wir lieben in Wirklichkeit nur das Große und die Schön-
heit der Formen. Große Kunst aber ist immer einfach
in ihrer Wirkung und vielfach in ihrem Wesen . . Es
handelt sich darum im Leben, wahr mit sich selbst zu
sein, wahr mit seiner Erregung, wahr mit seinen Erleb-
nissen. In der Kunst ist das, was man tut, das, was man
ist . . Kunst ist das einzig vollendete, das einzig freie
Leben . . Und Liebe ist grenzenloser Mut zum Leben.



Es handelt sich nicht darum, die Ordnung, der man
angehört, zu zerstören. Die Liebe verabscheut die Zer-
störung und jede Zersetzung. Es handelt sich darum,
in die Ordnung einzutreten, um sie mit einer neuen
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