Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

MÖBEL FÜR DEN WOHNRAUM

vom streben nach verfeinerung

Wenn wir zurückblicken in das Zeitalter unserer
Groß- oder Urgroßeltern, so scheint es uns, — teils
aus unseren eigenen Kindheits-Erinnerungen, teils aus
Erzählungen, — daß in diesen Generationen und Zeiten
der Drang nach dem »außer Hause sein« kaum bekannt
und das Familienleben dementsprechend ein glück-
licheres und intimeres war. Der Wohnraum war der
hauptsächliche Schauplatz des Erlebnisses, der Samm-
lung und Anregung. Kein Wunder, daß damals der
Wohnung insgesamt eine viel größere Aufmerksamkeit
in Bezug auf wirkliche »Wohnlichkeit« geschenkt wurde,
als dies durchschnittlich heute bei uns der Fall ist. Nichts
von falschem Prunk und von »Anmaßung« machte sich
in der Ausstattung solcher Räume breit, wohl aber wurde
eine »angemessene« persönliche Umgebung und Einrich-
tung angestrebt, die in jeder Beziehung, sowohl pekuniär
wie gesellschaftlich zu den Bewohnern gut paßte. . ..



Wenn wir heute uns wieder viel intensiver auf Wohn-
lichkeit einstellen und unsere seit jener Zeit — viel-
leicht — verfeinerten Lebens-Gewohnheiten, verbunden
mit den Errungenschaften unserer modernen Technik,
im gleichen ursprünglichen Sinne in unseren Wohnungen
zur Auswirkung bringen, so wird sich das Bild eines
Fortschrittes in der Kunst des Wohnens und Lebens
ergeben müssen. Es ist jedenfalls die Lebensaufgabe
jedes Architekten, an diesem Fortschritt mitzuarbeiten,
soweit dies von seinem Standpunkt aus möglich ist.

Die hier gezeigten Möbel (S. 166—168) nach meinen
Entwürfen sollen den Anfang zu einer Folge von ge-
diegenem handwerklichen Hausrat bilden, welche die
Werkstätten Otto Fritzsche in München im Laufe
der Zeit herauszubringen gedenken. Sie wollen einem
verfeinerten Wohnlich«eits-Streben entgegenkommen.
Der Entwurf baut sich zunächst sachlich aus der Be-
stimmung auf, der das betreffende Möbel dienen soll.
Die Form, die durch den Zweck schon in groben Um-
rissen vielfach bestimmt wird, wird durch einen verfeiner-
ten konstruktiven Aufbau ergänzt. Eine solche künst-
lerische Form, ohne jede Ornamentik, erhöht durch
stärkste Holzwirkung und frei von jeglicher Schemati-
sierung, ergibt ein Möbel, das im Wohnräume, in Ver-
bindung mit einer guten Umgebung, viel Persönliches
enthält, ohne persönlich sein zu wollen. Voraussetzung ist
allerdings für diese Art Hausrat: die Verwendung von
nur schönen, auserlesenen Materialien und beste Quali-
täts-Arbeit. Die eingehende Durcharbeitung des Ent-
wurfs ermöglicht eine Menge künstlerischer Feinheiten,
die, ins Detail übertragen, schöne und unaufdringliche
Wirkung am fertigen Möbel ergeben. . albert voelter.

*

DIE ÜBERLEGUNG. Was die Menschen »Schicksal«
nennen, sind meistens nur ihre eigenen dummen
Streiche. Man kann daher nicht genug die schöne Stelle
im Homer beherzigen, wo er die »Metis«, d. i. die kluge
Überlegung, empfiehlt.... arthur Schopenhauer.
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