Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

wohnuno h. pössenbacher-münchen

Solche Harmonie ist der letzte Sinn echter Heim-
kultur. Alle Form ist Sinnbild, ist Mittler eines Geistigen.
Rhythmus der Form ist Rhythmus der Seele, eingefange-
nes Leben, dessen Pulsschlag nie erstirbt. Wir können
solches Leben nicht mechanisch zwingen wollen. Wer es
versucht, wird es erleben, daß er nur einen starren Ab-
klatsch erfand, dem die Wärme rückströmender Vitalität
fehlt, dem die Kraft des Beglückens, gleichsam des Dankes

für seine Existenz abgeht.....dr. herbert hofmann.



TUGEND. Ohne Mitleid im Herzen ist kein Mensch,
ohne Schamgefühl im Herzen ist kein Mensch, ohne
Bescheidenheit im Herzen ist kein Mensch, ohne Unter-
scheidung von Recht und Unrecht im Herzen ist kein
Mensch. Mitleid ist der Anfang der Liebe, Schamgefühl
ist der Anfang des Pflichtbewußtseins, Bescheidenheit ist
der Anfang der Sitte, Recht und Unrecht unterscheiden
ist der Anfang der Weisheit. Diese vier Anlagen be-
sitzen alle Menschen, ebenso wie sie ihre vier Glieder be-
sitzen. . Wer diese vier Anlagen besitzt und von sich be-
hauptet, er sei unfähig, sie zu üben, ist Räuber an sich
selbst. Wer diese vier Anlagen in seinem Ich besitzt und
sie alle zu entfalten und zu erfüllen weiß, der ist wie das
lichte Feuer, das angefangen hat zu brennen, wie die helle
Quelle, die angefangen hat zu fließen. . mong dsi (325 v. Chr.)

kleines wohnzimmer. blick in die kamin-ecke

»VOM RECHTEN DIENEN«

Jeder Mensch hat das Bedürfnis, zu bewundern, zu achten,
und geachtet zu sein, zu lieben und geliebt zu sein.
Denjenigen, der uns für nichts achtet, können wir, wenn
wir ihn auch als höher erkennen, nur fürchten und scheuen;
jenen, der uns nicht geneigt ist, können wir nicht lieben. .
Der nur sich selbst lieben und sich selber bewundern
Wollende sucht eigentlich nur durch Zeugnisse von An-
deren sich seine Zweifel an eigener Liebenswürdigkeit
und Bewunderungswürdigkeit zu widerlegen, was ihm
aber nie gelingt, und wobei er innerlich doch immer leer
ausgeht. . Lieben ist sosehr Dienen dem Geliebten, daß
umgekehrt der Dienst leicht Liebe hervorbringt. Nicht
der Dienst macht unfrei und erniedrigt, sondern nur jener
Dienst, welcher Achtung und Liebe tilgt. Der Liebes-
dienst ist darum der befreiende und ehrende oder er-
hebende. . Klagst du darüber, daß du dienen mußt, so
bedenke, daß niemand in der Welt ist, der nicht
dient, — und zwar oft genug nicht bloß seinem Höheren,
sondern seinem Niedrigeren. . Zum Liebesdienst oder
zum Dienst mit Liebe ist niemand zu groß noch zu klein. .
Auch im gemeinen Dienst ist der gute Wille oder die
Liebe das Beste, und derjenige ist ein Narr, welcher durch
Lieblosigkeit dem Dienenden es unmöglich macht, ihm
mit gutem Willen, d. h. gut zu dienen. . franz von Baader.
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