Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

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Unsere WoVnung bestimmt mit unsere Lebensmelodie, wie ja
jegliche Sache, zu der der Mensch mit Geist und Sinn in Be-
ziehung tritt, sein Leben aufnimmt und lebendig wieder zurück-
strahlt. So ist auch Eichendorffs Wort zu verstehen: »Schläft
ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die
Welt hebt an zu singen, sprichst du nur das Zauberwort« ....

*

Wenn wir in eine fremde Wohnung unsern Fuß setzen, spüren
wir sofort einen Hauch von ihrem besonderen Geiste, es reden
ihre Dinge zu uns, aber ganz kann ein Heim nur der verstehen,
der es bewohnt, der es geschaffen hat. Denn mit ihm zusammen
bildet es eine harmonische Einheit. Der Mensch und sein Heim
gehören innig zueinander, eins lebt durchs andere, im anderen.
Jeder Mensch braucht daher sein Heim zur wahren Vollendung

seines Lebens, er muß verkümmern, wenn er heimlos ist.....

*

Umgekehrt bleibt aber auch das ausgeprägteste Heim nicht
mehr, was es war, wenn des Menschen Zauberwort se«nen Dingen
nicht die Seelen weckt. Wie tot und öde erscheint uns das freund-
lichste Heim, wenn der für immer fort ist, der es schuf und be-
wohnte. Nicht der Mensch allein ist fortgegangen, sondern mit
ihm auch die Seele der Dinge, wie es Welti in seinem Gemälde
»Die Penaten« so schön zum Ausdruck bringt: »Mit dem Toten
ziehen Geister aus, die im Leben ihm den Becher reichten.
Od und leer ist nun das Haus, ohne Glanz und ohne Leuchten.«

Leben erweckt Leben. Unser Geist erzeugt die Geister
unseres Heims. Sie werden zu uns reden, je nachdem wie wir
gehandelt haben. Sie werden uns ermuntern, trösten und stärken,
aber sie klagen und drohen auch. Darum laßt uns freundliche
Genien, gute Geister ins Haus rufen, damit sie uns eine
archit. hans busER-BRUcc esszimmerlampe, Heimstatt des Friedens und der Freude bereiten. . paul hoche.

»GEISTER DES HEIMS«

Es ist das Eigentümliche, das Beglückende
und Tröstliche unserer Wohnung, daß ihre
Dinge uns nicht kalt und fremd bleiben, sondern
nach und nach so innig vertraut werden, daß sie
uns unentbehrlich erscheinen. Und es ist sicher
mehr als die liebe Gewohnheit, die uns an
solche Dinge kettet. Sie erleben vielmehr alles
mit, was wir an Leiden und Freuden erfahren,
unsere Geschichte wird ihre Geschichte, sie
saugen gleichsam in sich auf, was an Stimmungen
und Gedanken durch unsere Seele zieht. Was
von Menschen sonst nicht gewußt, wird zu ihrem
Geheimnis, das sie getreulich in sich bewahren.
Organisches Leben, von uns ausgegangen, hat
sich tief in sie hineirgesenkt. Es erwächst
zwischen uns und ihnen ein Verhältnis, das ein
tiefes Fühlen und Empfinden zart gewoben hat.
Es sind die »Geister des Heims«, die in unserer
Wohnung aufleben und zu uns reden. Oder wie
käme es sonst, daß wir uns von diesen Dingen
nicht trennen wollen? Weil wir uns in ihnen
selber wiederfinden, weil wir uns zwischen ihnen
nicht einsam fühlen. Sie reden mit heimlichen
Stimmen zu uns. Wir halten gern mit ihnen Zwie-
sprache, vielleicht in einer einsamen Dämmer-
stunde. Da führen sie in ferne Vergangenheiten
zurück oder rufen Stimmungen in unser Herz,
die zu neuen Entschlüssen oder Taten antreiben. hans buser. messinoleuchter. Bronzewarenfabrik a.o.-turgi
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