Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

architekt franz kuhn in wien schlichter restaurauons-raum mit einoano

DER SCHREIBTISCH veileitet gar häufig zu Aus-
schweifungen in Größe, Material und Schmuck. Es
gibt Leute, die ihrem gesteigerten Selbstgefühl Altäre
errichten und dies bescheiden und schamhaft als An-
schaffung eines neuen Schreibtisches bezeichnen. Ihnen
kanngesagt werden, daßdie besten Gedanken Her Mensch-
heit im allgemeinen an weniger prächtigen Schreib-
tischen ans Licht gebracht worden sind. . Immerhin
wird nicht nur der Beruf des Auftraggebers für die Ab-
fassung der Möbelform maßgeblich bleiben. Steht der
Schreibtisch doch unter allen Möbeln in nahester Be-
ziehung zur eigentlichen Wesensart seines Benutzers.
Er ist Arbeits- und Studierplatz, der Mensch vollzieht
hier die Sichtung und Mehrung seines höchsten Besitzes,
seines geistigen Kapitals, er versucht vor allem und immer
wieder hier die Umwertung dieses Kapitals in »Persön-

lichkeit«, er faßt zumeist hi er die intimen — und umso
tiefer wirkenden — Entschlüsse, er tritt von hier mit
ernstzunehmenden, geliebten und gescheiten Menschen
in geistige Fernverbindung, kurzum: er sitzt fast nie mit
ausgeschaltetem Gedankenwerk vor diesem Möbel, und
wenn an den tausenderlei Übertragungs- und Beeinfluss-
ungstheorien auch nur ein Körnlein Wahrheit ist, dann
muß den Schreibtisch ein permanenter Hauch unserer
Denkkräfte umfließen d. h. ihn zu einem, von uns in
lebendigerem Sinn »besessenen« Möbel, — einer »Aus-
zeichnung« also wert und würdig machen, franz jürke.



DER ORGANISMUS ist das unbewußte, unmittel-
bare, die Organisation hingegen das bewußte Zu-
sammenwirken der einzelnen Teile eines angenomme-
nen Ganzen zu einem gemeinsamen Zweck. . . l. stein.
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