Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

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PROFESSOR HEINRICH STRAUMBR-BERUN KQCHE IM LANDHAUS R.-L1CHTEK FELDE

Nach Altvätermanier ist die Eingangstür in die Haus- VOM LEB ENDIG-TÄTIG EN GEIST

wand eingefügt; das Motiv mit der Haustür und dem

lang auf steigenden Erker in der ruhigen, langgestreckten T"^16 Ideen treten maximal auf, ihre Verwirklichung

Straßenfront ist für den Architekten charakteristisch. 1_/ bleibt minimal. Um die minimale Verwirklichung

Gute Einzelheiten: eine schmiedeeiserne Laterne, die zu erreichen, müssen sie maximal eingesetzt werden. . .

Rinnenkessel und das Detail der breiten Holzkonstruktion *

sind wohlberechnete Abgrenzungen für die Gesamtform Denken ist die Durchschreitung eines Weges, von dem

des Hauses. . Die gartentechnische Bearbeitung des die kleinen Seitenwege des des Wandern Müden seit-

Grundstückes führte mit Sorgfalt Erich Pepinski wärts abzweigen. Es kommt alles darauf an, daß man kei-

durch, dessen Geschmacks-Übereinstimmung mit dem nen dieser Seitenwege für den Hauptweg halte — und ins

Architekten hier zu glücklicher Auswirkung kam. . . . Freie, das unbekannte Land gelangt. Hier muß man ein

Verfügt die Märkische Produktion auch nicht über Stück in Neuland vordringen, — dann mag man sein Haus

die reiche Farbenskala gebrannter Steine wie Holland, bauen und die ewige Aufgabe an die Späteren abgeben,

so zeigt dieses Backsteinhaus doch wieder, wie bei rieh- *

tiger Stellung des Bauwerks zur Sonne und zum Licht ein Solange jemand geistigjung ist, ist er nicht Individuum,

freundliches und heiteres Wechselspiel entstehen kann, das auf sein Glück, seine Ruhe, seine Seßhaftigkeit be-

wenn das bodenständige Material in richtiger Anordnung dacht bleibt, sondern Ausgesandter, Schrittmacher der

zur Verwendung kommt. Der Backstein scheint hier dem Generation, d. h. der Idee Menschheit. . Stößt der Wan-

Architekten Wege zu einer Weiter-Entwicklung der derer seinen Stab in die Erde, so beginnt der Stab zu

Form im Sinne der heutigen Zeit gegeben zu haben. . . grünen, und es wird Zeit, den Garten anzulegen, in dem

Im Ausbau des Obergeschosses des Cafes der Lebenstag Abend werden wird. . Wer einmal wirk-

Telschow (S. 192 —193) am Zoo hat Heinrich Straumer lieh zu wandern begann, wird die Unermüdlichkeit und

mit einfachen Mitteln eine zeitgemäße Lösung angestrebt, den Rausch der Zähigkeit kennen lernen. . otto flake.

Wie die Aufgabe, ein Cafe neueinzurichten, an sich eine *

freiere Behandlung erlaubt, so gibt auch ein Bau in der T~"VE NEUE Architektur ist ökonomisch, d. h. sie or-
Gegend am Zoo, die viele der Großstadtbevölkerung JL-/ ganisiert ihre elementaren Mittel so eindeutig wie
dienende Lokale aufweist, die Berechtigung, dem Zeit- möglich ohne Verschwendung. Die neue Architektur hat
geschmack weitergehend zu zu folgen. Die Lösung er- keinen Raum für Privatgefühle, sie bezweckt den Gesamt-
bringt den Beweis, daß bei einer richtigen Einstellung ausdruck mit einem Minimum von Mitteln, ohne daß der
die Formgebung sich aus der Aufgabe entwickelt. . sch. Zweckmäßigkeit geschadet wird. . theo van doesburg.
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