Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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VON DER MISSION DER MASCHINE

die maschine als vollkommenes werkzeug.

Die Maschine gegen den Menschen«, — so ungefähr
lautet ein Schlagwort des 20. Jahrhunderts. Und
nichts ist falscher wie dieses. Denn die Maschine ist
nicht gegen den Menschen, sondern für ihn da! Sie ist
— richtig geleitet — sein Freund, sein unentbehrlicher
Genosse. Nicht um den Menschen zu ersetzen, sondern
um ihm zu »helfen«, dazu ist die Maschine da. Sie ist ein
»Werkzeug« des Menschen, wie jedes andere. Der
Mensch bedient sich ihrer, so wie er sich eines andern
Werkzeugs bedient. Und je vollkommener ein Werkzeug
ist, desto mehr erleichtert es dem Menschen seine Arbeit.

Gewiß leistet die Maschine Arbeit, die früher ein-
mal von Menschenhand geleistet worden ist. Doch
diese Leistung kann niemals zu dem Urteil verleiten, daß
die Maschine den Menschen »ersetzen« könnte. Diese
Leistung ist vielmehr ein Beweis dafür, daß die Menschen
ehedem gezwungen waren, eine Arbeit zu leisten, die
auch eine Maschine leisten kann, daß diese Arbeit dem-
gemäß immer eine »mechanische« war und daher eigent-
lich niemals durch Menschenhand hätte gemacht werden
sollen. . Millionen arbeitender Menschen waren »Maschi-
nen«, ohne daß sie es wußten. Sie waren mechanische
Apparate, die jeweils ihrer Zeit entsprachen. Und da der
erstrebte Erfolg eine ständige »Steigerung der Leistung«
erforderte, mußte eines Tages der »mechanische Apparat
Mensch« am Ende seiner Leistungsfähigkeit angelangt sein.

Der Erfolg der mechanischen Arbeit war die »Quan-
tität «. Diese konnte j edoch nur auf Kosten der » Qualität«
gesteigert werden. Daraus ergab sich aber wieder eine
Verminderung des Erfolges. Um diese negative Kompo-
nente auszuschalten, sann der Mensch auf Hilfsmittel.
So kam er zur »Maschine«. Mit ihrer Hilfe gelang es ihm,
eine größtmöglichste Quantität zu erreichen, — in vielen
Fällen sogar auch die Qualität zu steigern. Dies wäre ohne
die Präzision der Maschine niemals möglich gewesen. . .

So wird die Maschine der Helfer, der Freund des
modernen Menschen. Sie rettet ihn aus der Knechtschaft
der mechanischen Arbeit. Je mehr Arbeiten die Maschine
leisten kann, desto freier wird der Mensch. Dadurch
kann er jene Arbeit leisten, welche die spezifisch mensch-
liche ist: die Arbeit der Hand und die Arbeit des Geistes.
Wie klar tritt nun die unmittelbare Verwandtschaft der
Geistes- und der Handwerks-Arbeit zu Tage, —
jener Leistungen, die nur der Mensch kraft des mensch-
lichen Intellektes zu schaffen vermag! Und hierin liegt die
Größe der Mission der Maschine. Sie hat den Menschen
auf jenes Betätigungsfeld zurückgeführt, das ihm allein
zugehört. Und jemehr alle andern Arbeiten, selbst die
»mechanische Gedanken-Arbeit«, von der Maschine ge-
leistet werden, desto näher wird der Mensch dem Ziel kom-
men, das erreicht werden muß: desto freier wird er sein,
desto mehr wird er Mensch sein können. . otto bauer-wien.

PROFESSOR ADOLF G..SCHNECK-STUTTGART. WOHNZIMMER MIT VERANDA IM HAUSE E. b. IN H.
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