Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

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I

JOSEF VYTISKA UND JOSEF DEMETZ—WIEN TÜLLGARDINEN. GRÜNDEN DREI WEBARTEN

LUXUS- UND SERIEN-MÖBEL

EINIGE FRANZÖSISCHE STIMMEN

n einer Rundfrage über das Problem des »Luxus- stellen lassen, das verwendete Material muß schlicht und

möbels« im kleinen »Bulletin de la vie artistique« kräftig sein, damit es im Gebrauch sich bewährt und

führt Leon Jallot u. a. aus: »Viele Fabrikanten ver- leicht imstand gehalten werden kann . . Man mag sich

wenden schönes Furnierholz für billige Möbel (sogenannte dabei an den Luxusmöbeln »inspirieren«, — wenn es

»Schlager«), aber dieses dient leider nur dazu, die Bau- schon sein muß. Aber man darf sie nicht nachäf fenl«

art und das minderwertige Material zu verdecken. Nach ★

»einer Meinung sollte man preis werte Möbel in massivem »Die Ausstellung vom Jahr 1925 hätte, infolge der

Holz ausführen in Tischlerarbeit, wie zu Zeilen unserer ausgedehnten Teilnahme der Möbel-Industriellen, meiner

Großväter. Betrachten Sie Möbel dieser Zeit, wie sie Meinung nach eine sehr deutliche Entwicklung zum ein-

s'ch immer so gut halten und bescheidentlich wirken fachen und preiswerten Serienmöbel zeigen müssen«,

durch ihren logischen Aufbau, ihre stilvolle Form und meint Rene Gabriel. »Leider haben die Fabrikanten

gehaltvolle Schlichtheit. Mögen sich die Fabrikanten nicht genügend begriffen, daß ihnen diese Aufgabe ob-

tüchtige Menschen von Geschmack und fachlicher lag. Mit wenigen Ausnahmen waren die gezeigten »Gar-

Durchbildung wenden, um ihre Modelle zu erhalten, nituren« zu luxuriös. Man hat vor allem »Ausstellungs-

dann wird die Möbelkunst schon Fortschritte machen. Stücke« zeigen wollen: zuviel Ornamentik, zuviel Ver-

* goldung, fast überall Überladung . . Sind die ausstellen-

Man nimmt immer zum Vorbild das, was von »Oben« den Firmen aber wirklich allein die Schuldigen? Nein.,

kommt, das ist wenigstens die Regel. Die Menschheit Der größere Teil der Kundschaft, das große Publikum

hat sich immer bemüht, die Modelle zu kopieren, die verlangt billige Möbel, die »nach etwas aussehen«. Es

•für die Großen« geschaffen werden. Das gilt auch noch sucht für 2000 Francs ein Eßzimmer, das den Eindruck

m unseren Tagen, wo die Tendenz zur Egalisierung erweckt, zelmmalsoviel zu kosten. Es wäre also vor

J»errscht . . Aber es ist ein Irrtum zu glauben, daß man allem notwendig, die Masse zu besserer Einsicht zu er-

Luxusmöbel nachahmen könne, indem man sie für billiges ziehen und nicht ihrem mittelmäßigen Geschmack zu

eld herstellt, — Möbel, die einen tadellosen Geschmack folgen.. Trotz mancher fehlgeschlagener Versuche in dem

Und eine ebensolche Herstellungsweise erfordern. .. Streben nach der Gestaltung modernerTypenmöbel wird

b J- aS *Serienmöbel« entsteht aus anderen Grund- das neuzeitliche Serien-Möbel — das Ergebnis einer

sedlngUDgen wie das Luxusmöbel. Es muß ganz ehrlichen Zusammenarbeit zwischen Künstler und Fabri-

^Peziell für se;ne Bestimmung erdacht und hergestellt kanten, schlicht und ehrlich in seiner Bauart — früher

^erden. Man muß es einfach machen, solide und, wenn oder später den Platz einnehmen, der ihm gebührt. . .

w°8f h' ohne alles aufdringlich laute Wesen. Der Ent- Ich glaube nicht, daß es möglich ist, für ein Serien-

£U« muß klar und ausführbar für den Arbeiter sein. Das Möbel das Rezept zu übernehmen, das für das Luxus-

nzelstück muß sich fast vollständig mechanisch her- Möbel gilt. Die genaue Kopie, in Eichenholz, eines ur-
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