Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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XXXVU. JAHRG. DARMSTADT. APRIL 1926.

LADEN- UND GASTSTÄTTEN-AUSBAU

EINE NEUE ARBEIT VON MAX WIEDERANDERS

Durch die Unruhe und Bedrängnis unseres mo-
dernen Großstadt-Lebens entwickelt sich, als
notwendige Kompensation zur Entspannung der
überanstrengten Nervenzentren, ein erhöhtes Ver-
ständnis für eine aus psychologischer Erfahrung
und Menschen-Kenntnis heraus schaffende Raum-
kunst, die es versteht, diejenigen Stätten, an denen
man sich freiwillig oder gezwungenerweise längere
Zeit aufzuhalten hat, so zweckentsprechend und
angenehm wie möglich zu gestalten. Diese Auf-
gabe der Raumkunst beschränkt sich keineswegs
auf den Wohnraum, - sie kommt in ganz wesent-
licher Hinsicht auch in der Einrichtung und Aus-
stattung der Verkaufs-Stätten und Gast-
Stätten zur Auswirkung. Für den Ausbau von
Räumen dieser Art kommen mehr oder minder
aufdringliche und mit Talmi-Luxus oberflächlich
durchgeführte Ausstattungen heute nicht mehr in
Frage. Über das Praktische und Nützliche hinaus
sollen sie durch Gediegenheit wirken, um eben
dadurch ihrer eigentlichen Bestimmung im besten
Sinne dienen zu können. Auf gediegenste künst-
lerisch-handwerkliche Arbeit ist daher, trotz der
ungünstigen Zeitverhältnisse oder in tieferem
Sinne gerade wegen dieser, hier ganz besonders

Wert zu legen; denn vor allem bewährt sich da der
Grundsatz, daß die beste Ausführung auch die
wirtschaftlichste ist. . . Die Anforderungen
an die Leistung des Architekten, in seiner Arbeit
bis zum kleinsten Detail sowohl nach der künst-
lerischen, wie nach der handwerklichen und wirt-
schaftlichen Seite hin, steigen. Über die Selbst-
verständlichkeit der Schaffung von klaren Raum-
dispositionen, mit bester Luft- und Lichtzuführung
und übersichtlichen, zwangsläufig zu verfolgenden
Verkehrswegen im Raum, geht die Forderung nach
harmonisch wirkenden Raum-Einheiten, die unter-
einander in angenehmer Wechselwirkung stehen.
In einem guten, neuzeitlichen Verkaufs-Raum
wird als Norm gelten, — da »jeder Käufer ein
Wähler« ist, diesem in Schau-Vitrinen, in Wand-
nischen mit beweglichen und festen Konsolen, auf
großen Ladentischen die Ware in bester Weise
darzubieten. Und in den Gast-Stätten wird es
vor allem darauf ankommen, dem Besucher die
Suggestion des »Geborgenseins« zu übermitteln.
Die in diesem Heft veröffentlichten Abbildungen
zeigen, wie Oberstudiendirektor Architekt Max
Wiederanders solchen Anforderungen bei der
Ausstattung der Räume der Konditorei und des

1926. iy. L
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