Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

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AKCH1T. h. KAKPEHSTEIN-berlin—dahlem haus sternberg-dahlem. gartenfront

WOHNBAUTEN IN DAHLEM

arbeiten von architekt h. karpenstein-berlin—dahlem

Tn der Erkenntnis, daß in baukünstlerischen Dingen das
1 Geschaffene eindringlicher spricht, als es Woite und
jegliche Theorie vermögen, will ich mich zu den hier
zum Teil gezeigten Arbeiten des Hauses Sternberg-
Dahlem nur kurz äußern. . Bereits in den ersten Ent-
wurfs-Arbeiten war es gelungen, den Wünschen und
Bedürfnissen des Bauherrn Genüge zu leisten und die
äußere Gestaltung festzulegen. Die Arbeit konnte,
obwohl sie noch in die alles zerrüttende Inflationszeit
zurückreicht, in verständnisvollem Einvernehmen mit
dem Bauherrn zu Ende geführt werden. Es lag nicht am
wenigsten daran, daß das Bau-Programm von vornherein
klar war und die Schaffensfreudigkeit des Architekten
stets erkannt und geteilt wurde. . Das Haus ist in gold-
gelbem Terranova geputzt, die Architekturteile sind in
silbergrauem Sandstein bezw. Rüdersdorfer Kalkstein,
die Klappläden blaugrün. Die Halle, der Kern des
Hauses, um die sich die Aufenthalts-Räume gruppieren
und von der eine breite Treppe zur oberen Diele (Billard-
raum) führt, ist bis zur Decke in Birkenholz getäfelt und
durch dunkle Nußbaumleisten aufgeteilt. Nack der Straße
wird sie durch das große, in Sandstein-Maßwerk auf-
geteilte Fenster zum Ausdruck gebracht. Auf der
Gartenseite schließen sich Eßzimmer und Damenzimmer
an, deren fünf große Fenster zu der mit Kalksteinplatten
belegten Frei-Terrasse führen, die wenige Stufen über
dem Gartenterrain liegend. Haus und Garten verbindet.
Die Wände im Eßzimmer, über einem niedrigen weißen
Schleiflackpaneel, sind fraisefarben gehalten und durch

Goldleisten aufgeteilt. Das Damenzimmer, im Grundriß
oval, an das sich der vorgebaute Wintergarten anschließt,
ist mit taubenblauer Seide ausgespannt, die Möbel sind
aus goldgelbem Zitronenbolz gefertigt und mit blaugelb
gestreiften Seidenstoff bezogen. Die Wände in der
Garderobe sowie die Schlaf- und die Ankleideräume
im Obergeschoß sind ebenfalls mit Seide bespannt. .
Den Garten mit zentral gelagertem Wasserbecken be-
grenzt zu beiden Seiten je eine Pergola. Ein freund-
liches Gärtnerhaus bildet den Abschluß des Gartens. .

*

Das »Reihen-Kleinhaus« (S. 154 — 155) einer
Kolonie in Dahlem wurde im Jahre 1920 erbaut. In-
folge der Wohnungsnot erhielt es Bewohner, die etwas
höhere Ansprüche an Wohnungskultur stellen. Durch
die geringe Abmessung des Hauses in der Breite war
bei dem erforderlichen Umbau die dem Architekten ge-
stellte Aufgabe sehr erschwert. Aus den gezeigten
beiden Grundrissen ist die Änderung zu ersehen. Das
Wesentlichste war die Schaffung eines Durchgangs, von
dem aus die Wohn- und Nebenräume getrennt zugäng-
lich wurden. Die Wirkung der jetzt zu einer Einheit
zusammengezogenen Räume: — des Eßzimmers und
eines Wohnraumes mit Kamin und kleiner Bücherei zu
beiden Seiten des breiten Fensters (S. 155) — ist über-
raschend und schafft die gewünschte, bescheidene
Bewegungs Freiheit. Eine große, verglaste Flügeltüre
führt aus dem Eßzimmer über einen mit Steinplatten
belegten Sitzplatz zum Staudengarten. . h. karpenstein.
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