Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKO RATION

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ARCHITEKT HARRY ROSENTHAL-BERLIN SPUELDlfiLB IM OBEROESCHOSS. »HAUS 1H W.«

als Maschinenwärter auffaßt; sie ertötet die vitaleren
Impulse. In blinder Auflehnung rächen die Menschen
ihre eigenen Fehler an sich selbst: so hat sich das groß-
städtische, moderne, fabrikmäßig hergestellte Haus
mit seinem strahlenden Badezimmer, seinen eleganten
Heizungsanlagen, seinem zierlichen Müllablagerungs-
system mehr und mehr zu einem Ort entwickelt, den
man nach Möglichkeit zu umgehen versucht. Der wahre
Grund, warum die Garage nirgends fehlen darf, liegt
in dem Wunsche der Menschen, irgend einen Ersatz,
irgend einen Weg »ins Freie« aus diesem Labyrinth von

Untergrundbahnen und Hausmaschinen zu finden.....

So dringlich ist das Bedürfnis nach etwas »Anmut«,
die uns von all diesen eisigen kommerziellen Errungen-
schaften erlösen könnte, daß das Hand wer k wieder zu
Ehren kommt. . . Kann man sich einen hübscheren
Kommentar zu den großartigen Errungenschaften unserer
moderner Industrie und Wissenschaft denken? . . Be-
grenzt und einseitig in unserernüchternenNutzan wendung
der Wissenschaft haben wir vergessen, daß es ebenso
eine »Wissenschaft der Menschlichkeit« gibt wie
eine Wissenschaft der materiellen Dinge. Wir haben
versucht, von der Maschine zu leben, und die Flut hat
uns verschlungen. Es wäre Zeit, daß wir uns umsehen,
welche Mittel uns zu Gebote stehen, um wieder
Menschen zu werdenl Die Aussichten, die für die
Baukunst bestehen, sind nicht von den Aussichten zu
trennen, mit denen die menschliche Gemeinschaft zu

rechnen hat 1 Wenn der Mensch, — wie die Legende
sagt, — wirklich nach dem Ebenbild der Götter ge-
schaffen ist, so schafft er seine Bauwerke nach dem
Bilde seines eigenen Geistes und seiner Satzungen. . . .



Die Zukunft unserer Zivilisation hängt davon ab,
inwieweit wir fähig sind, das Erbe der Vergangenheit
zu prüfen und das Richtige daraus zu wählen, unsere
gegenwärtigen Zustände und Bräuche zu verändern und
neue Formen zu finden, in die sich unsere Energien frei
ergießen können I . Aus unserer stolzen Position als
»Schöpfer« des Maschinenwesens im Laufe des letzten
Jahrhunderts sind wir verdrängt worden und sind nun
nichts weiter als die »Geschöpfe« des maschinellen
Systems. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, neue Mittel
zu probieren, um noch einmal die Konturen unserer
Zivilisation von innen heraus zu verändern.

Die Baukunst beginnt historisch dann, wenn der »Er-
bauer« zum »Bebauer« wird, — und soll wirklich unsere
ganze Baukunst eines Tages eine gesunde Grundlage
haben, so werden wir sie vielleicht am ehesten in den neu-
gekräftigten, aufblühenden ländlichen Distrikten

finden. . . LEWIS MUMFORD. (»VOM BLOCKHADS ZUM WOLKENKRATZBKt)

*

ICH WUNSCHE, daß mir das Zusammenwohnen oder
Zusammenleben mit einer Reihe guter und einfach
notwendiger Dinge ein Maximum körperlichen und
moralischen Schönwetters bedeute. . karel Czapek.

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