Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

Page: 233
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1926/0257
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
INNEN-DEKORATION

233

n





s

















ENTWURF VON VICTOR LURJE-WIEN INTARSIA EINER KASSETTE. INNENFLÄCHE

HANDWERKLICHE LEBENS-ECHTHEIT

ZU ARBEITEN VON VICTOR LURJE-WIEN

Was an den Arbeiten von Victor Lurje als erstes Auswahl der einzelnen Hölzer-Arten und der besondern
auffällt, ist die handwerkliche Lebensechtheit der Stücke nach Härte und Faserung, nach Farbton und Maser,
Leistung. Man ist beeindruckt, daß hier Gebilde vor- nach Eigenart der »verwimmerten« Züge, der interes-
liegen, die sinnfällig den Stempel einer so unmittelbaren santen Verknorpelung, und dazu die Kenntnis von der
Materialdurchdringung tragen, daß Dinge dastehen, die praktischen Haltbarkeit der ausgeschnittenen Getäfel-
nicht die gekünstelte Sprache übertragener Reißbrett-Ent- Stückchen mit ihren gewellten und geflammten, glatt-
würfe, sondern schlicht und recht die prächtige, unver- flächigen und schraffierten Spiellinien auf dem Leimgrund,
panschte Mundart der Werkstatt reden. Am stärksten be- Es ergibt sich ohne weiteres, daß die Möglichkeiten der
stätigt sich diese Erkenntnis vor den Holz-Intarsien des Bildgebung von der Auswahl und der Besonderheit des
Künstlers, weil es sich gerade bei diesen Arbeiten um Materials unmittelbar abhängig sind, — besonders da Lurje
einen Zweig des Kunsthandwerks handelt, bei dem die nicht, wie es die alten Täfelbildner vielfach taten, mit far-
lebendige Überlieferung seit einem Jahrhundert fast ver- bigen Beizen und der Brandnadel zutut, wofür er zwar
schollen schien. Hier galt es, die gediegene Art und andererseits die heute viel reichere Skala exotischer Hölzer
Weise der Intarsia wiederzuerwecken, die Zunftgeheim- zu Gebote hat, — und daß das Material natürlich im glei-
nisse, Kunstgriffe, Material-Kenntnisse und Werkzeug- chen Maße, in dem es bestimmend und beschränkend auf-
Bedingtheiten der alten »Täfelbildner« neuzuentdecken tritt, auch Freiheiten verstattet und durch seine schillernde
und schöpferisch in zeitgemäßem Werk wieder zu tätigen. Vielfalt zu charakteristischen Nuancen geradezu heraus-
Wer einmal Adalbert Stifters »Nachsommer« mit Muße fordert und oft reizvolle Lösungen der Details begünstigt,
gelesen hat, wird sich wohl erinnern, vor welch besondere Wo das Handwerk echt ist, kann das rein ästhetisch
Aufgaben dieses ausgesuchte Handwerk den Ausüben- Künstlerische dieser obersten Tugend kaum ermangeln,
den stellt, und darnach ermessen können, wie sich die Ein Gesetz bestimmt hier das andere. Aus der korrek-
Forderung nach künstlerischem Takt und nach technischem ten Anfassung des Handwerks ergibt sich wie von selbst
Feinsinn erhöht, wenn es sich nicht wie in dem genannten die richtige Konzeption und der authentische Stil des bild-
Roman um Arbeit ornamentalen Charakters im mittlerem haften Vortrags. Der Reiz der Holzintarsie besteht in dem
Format, sondern wie bei den Intarsien Victor Lurjes harmonischen Zueinanderverhalten der zum Bild gefügten
um Gebilde motivisch-bildhaften Charakters in oft sehr Ebenen, also in der Flächenwirkung und der »Schnittig-
kleinen, und dann wieder sehr großen Formaten handelt, keit«. Die Gefahr des Vortrags wird darin bestehen kön-
Zentraler Verhalt dieser handwerklichen Bildnerei ist die nen, daß die Wirkung des Furnierbildes entweder zu sehr

192«. VI 3.
loading ...