Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

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SUBTILER HANDWERKS-GEIST

zu arbeiten von flatow & priemer-berlin

Zu den Arbeiten der Werkstätten Flatow&Priemer-
Berlin, von denen hier einige Beispiele gezeigt wer-
den, haben sichtlich Grazie und Eleganz des 18. Jahr-
hunderts die Anregung gegeben. . Die erste der Abbil-
dungen zeigt einen Wand tisch (S. 338) im Charakter
des sogenannten »Ubergangs-Stiles«, der, wirkungsvoll
vor eine in matten Pastell-Tönen gehaltene Wand ge-
stellt, einem Speisezimmer eine markante Note gibt.
Um die starre Vornehmheit des Raumes aufzulösen, sind
Wandarme und Kronen in Form und Farbe beweglicher
gehalten und aus geschmiedetem Eisen mit Porzellan-
blumen gefertigt. . Das zweite Bild zeigt den Sitzungs-
saal (S. 339) einer Bank, dessen kühle Ruhe der geistigen
Sammlung der in diesem Räume Arbeitenden dient, wäh-
rend die weichen Kurven der bürgerlich gefaßten Möbel
aus dunkelgetöntem Nußbaumholz einer freifließenden
Diskussion förderlich sein wollen. Kronen und Wand-
arme zeigen noch geschmeidigere Linien. . Das Speise-
zimmer (S. 340) erhielt aus den Arbeiten der Gebrüder
Asam formale Anregungen und ist auf Lebensgenuß und
großzügige Behaglichkeit gestimmt. Dunkelrote Wände
und ein tiefes Goldbraun des Holzwerks bilden mit den
graziösen Formen der Möbel ein harmonisches Ganze.
Der elegante Toiletten-Tisch (S. 341) ist im Charakter

der Wiener Kongreßzeit gehalten; aus dieser Zeit besitzt
das Hofmobilien-Depot in Wien prachtvolle alte Möbel,
die in einem ähnlichen Geiste, wenn auch in anderen For-
men, geschaffen wurden. . Die Erlesenheit des Möbels,
das aus karelischer Birke gearbeitet und mit Cedern-Holz
umrahmt ist, wird durch den Spiegel aus vergoldeter
Bronze mit Elfenbein-Einlagen noch betont. Zwei nach
alten Wiener-Modellen angefertigte Leuchter geben dem
Möbel die notwendige Geschlossenheit. Die niedrige,
kleine Galerie ist gleichfalls teils in echtvergoldeter, teils
in grünpatinierter Bronze ausgeführt. Als technische Fein-
heit sei das Schloß erwähnt, mit dem sämtliche Kästen
durch einmalige Schlüsselumdrehung geschlossen werden.

Die letzte Abbildung (S. 342) zeigt eine der vier Ecken
einer großen Bibliothek, deren Wände in mattem Apfel-
grün mit grau-weißen Leisten getönt sind, die Gittertüren
der eingebauten Bücherschränke sind durch eine breite
Goldleiste eingerahmt. Der Konsoltisch unterhalb des
Bücherschrankes ist vergoldet und mit einer Marmorplatte
abgedeckt. Kronen und Wandarme sind aus Metall mit
Kristallen. . Das Wesentliche an diesen Arbeiten ist die
noble Zurückhaltung in der Formengebung und das sub-
tile Handwerk, durch das sich die Werkstätten von
Flatow & Priemer ihren Ruf geschaffen haben. . . th. w.
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