Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 28.1912-1913

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P.A. VON KAULBACH LANDSCHAFT

SCHWIND UND MÜNCHEN

Schwind und München, die beiden, meinen ordentlich gewandter und origineller Epistolo-
wir, gehörten von Anfang an zusammen graph; seine Briefe sind feine Spiegelungen
als beste, innigste Freunde. Den Wiener seiner Stimmungen. Aus allen Briefen eines
Schwind glauben wir ganz in dem Münchner Jahrzehnts aber hört man immer eins heraus,
Schwind aufgegangen; in seiner Kunst ver- immer wieder dies, ausgesprochen, ausge-
meinen wir einen Hauch wurzelständigen weint oder in verhaltener Wehmut, in schmerz-
Münchnertums zu verspüren, und wir maßen licher Resignation zwischen die Zeilen ge-
uns an, den Meister Schwind, dem lieben schrieben: Ich hab Heimweh nach Wien.
Spitzweg gleich, ganz der gestaltenreichen In München gefällt mir's nicht. Der Boden
Kunststadt an der Isar zu vindizieren. ist mir zu schwer, zu hart. Hier kann ich
Wie schmerzlich ist es da besonders für nicht Wurzel fassen . . . Erst in den letzten
den Münchner Kunstfreund, durch das Stu- zehn Lebensjahren konnte sich Schwind in
dium der Briefe des Meisters eines anderen die Münchner Verhältnisse schicken. Aber
belehrt zu werden ! Vor kurzem hat uns nicht als ob es ihm die Stadt oder die Münch-
Walther Eggert-Windegg eine Auswahl der ner selbst sonderlich angetan hätten. Die
Briefe Moritz von Schwinds unter dem Titel „Aussöhnung" brachte zu allermeist die
„Künstlers Erdenwallen" (München 1912 bei Münchner Landschaft, die damals noch un-
C. H. Beck) vorgelegt, die auch die aus Mün- berührte Umgebung der Stadt, zustande. Am
chen stammenden Briefe (Pfingstsonntag 1847 Starnberger See, in Niederpöcking, hatte sich
bis 3. Dezember 1870) in guten Stichproben der Meister ein Landhäuschen erbaut, ein heim-
uns kennen lehrt. Schwind ist ein außer- lichesTuskulum, an dem sein Herz hing. Eggert-

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