Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 28.1912-1913

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KULTURGESCHICHTLICHE GRUNDLAGEN j
DER DEUTSCHEN MALEREI

VON ETWA 1780 BIS ETWA 1840 (ODER VON CARSTENS BIS MENZEL)

Von Berthold Haendcke '

I. \

Alle Kunstgeschichte ist Kulturgeschichte. didaktisch-äslhetisch-kunstgeschichtlichen Me- )

Die Lebensströme, die den Volkskörper thode außer acht gelassen, während man nie (<

ernähren, bringen seiner Kunst die Lebens- Schlegels Wort vergessen sollte: durch die '

kraft. Das edelste Blut, das rote Herzblut der Künstler wird die Menschheit ein Individuum, 0

schaffenden Allgemeinheit pulst in den Adern in dem sich Vorwelt und Nachwelt mit der G

der Kunst, Sie verdolmetscht das höchste seeli- Gegenwart verknüpfen (1798). \

sehe und geistige Sein, versinnbildlicht die Welt Gegen den Schluß des 18. Jahrhunderts hin s

der Erscheinungen und den Reichtum aller beginnen sich der Malerei neue Wege in >

äußeren Lebensformen des Volkes, dem sie Deutschland zu eröffnen. Der eine führte zur (

angehört. Wer die künstlerische Tätigkeit eines Historienmalerei schlechthin, der andere zur (,

Volkes verstehen will, muß also auf dessen Landschaftsmalerei oder besser zur Lebens- f

ganzes inneres Sollen blicken. Dann erklären maierei. Die profane wie die religiöse Histo- (>

sich auch ganz zwanglos scheinbar plötzlich rienmalereigalt ohne Recht lange als die Malerei y

auftretende kunstgeschichtliche Ereignisse. Das desendenden 18.und des beginnenden 19.Jahr- «

ist seit Winckelmanns Tagen wahrlich nichts hunderts. »

Neues, wurde aber lange durch die rein hi- Das 17. Jahrhundert folgte überall morali- *

storische Schule in den Hintergrund gedrängt sierenden Tendenzen. Deshalb warWolffs Er- >

und wird in unserer lebenden Stunde nicht klärung, die Kunst habe der allgemeinen Ge- f

selten zugunsten einer, ich möchte sagen, sellschaftsmoral zu dienen und zu edlen Tu- l

r.jettmar abendlandschaft. ölbild(1906) >

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