Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 28.1912-1913

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WILHELM LEIBL

ERINNERUNGEN UND BRIEFE
Von A. Wingen, kgl. Baurat, Bonn

chon seit der Jugendzeit stand ich mit dorthin zu fahren und in das Atelier des Baurat

Wilhelm Leibi in freundschaftlichem Ver- Langen einzutreten. Ich folgte seinem Rat.

hältnis. Besonders innig wurden unsere Be- Wir mieteten uns in München eine gemein-

ziehungen vom Jahre 1866 ab. Die damalige same Stube, in der wir ungefähr sieben Monate

Kriegserklärung veranlaßte ihn, von München, zusammen wohnten. Mehrmals in jeder Woche

wo er die Akademie besuchte, nach seiner besuchte ich mit ihm die Alte Pinakothek. Es

Vaterstadt Köln zu reisen, um sich zur Fahne machte ihm dabei ein besonderes Vergnügen,

zu melden. Er wurde jedoch nicht eingezogen mir über die Malweise der alten Meister und

und blieb bis zum Friedensschlüsse im Hause besonders des von ihm sehr verehrten van Dyck

seiner Eltern, in dem ich verkehrte. In Köln Vortrag zu halten.

malte er das wundervolle, lebenswahre Bild In jener Zeit malte er mein Porträt und

seines alten Vaters, das heute eine Zierde des zwar in der Auffassung des van Dyckschen

dortigen Museums bildet. Eines Tages teilte Porträts des Schlachtenmalers Snayers. Auch

er mir mit, daß er nun wieder nach München arbeitete er an einem Bilde „Don Quichotte den

reisen werde und überredete mich, mit ihm Balsam des Fierabras herstellend". Da saß der

BERNHARD HOETGER BRUNNENFIGUR (BRONZE)

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