Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 28.1912-1913

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DAS BISMARCKDENKMAL AM RHEIN |

DAS BISMARGKDENKMAL AM RHEIN*) Bismarck von Bingerbrück wird diesen letzten Rest >

von falschem Realismus abgestreift haben, ganz r,

D

as tragische Schauspiel des Bismarckdenkmal- Ruhe, ganz Erhabenheit, ganz Monument sein. Den
Wettbewerbes ist beendet. So stürmisch es im Unterkörper umhüllt ein streng stilisierter Mantel,
vorletzten Akte noch zugegangen, der Schluß war dessen Flächen durch wenige Falten sehr schön auf-
versöhnend. Am 18. Oktober wurden zu Mainz die geteilt werden. Sie sind auf ein großes Hauptmotiv
endgültigen Entwürfe vonWiLHELMKREisundHuco reduziert. Vom schwerthaltenden Arm gleitet die
Lederer vom Kunstausschuß wie vom Gesamtaus- Linie bis zum Fuß der Figur, dann zum linken Knie
schuß „einstimmig" genehmigt. hinauf, über das sie in strenger Vertikale herabsinkt.

Zwecklos ist es, in diesem Augenblicke auf alle Aus diesem großen Zuge geht sie allmählich zu den

Phasen des Wettbewerbkampfes einzugehen, zweck- im Schöße ruhig geordneten Faltenstufen über,

los, den alten Streit aufzurühren. Straff und energisch aufgerichtet ragt darüber der

War das offene, unbedeckte, einseitig orientierte, vom Panzer umschlossene Oberkörper empor, bei-

aber poetisch empfundene Denkmal von Hahn- derseits von senkrechten Gewandlinien begleitet, die

Bestelmeyer wirklich das allein Mögliche, Richtige ? den Blick des Beschauers auf das Antlitz der Statue

War der erste Entwurf von Kreis, sein gewaltiger hinlenken.

kuppelbedeckter germanisch-kreisender Rundturm Der Bismarckkopf ist heute noch um einen Grad
mit den trotzigen Halbtürmen wirklich so unmög- realistischer als die übrige Gestalt, wundervoll
lieh, so alles vernichtend, alle Landschaft zer- lebenswahr, groß, ernst und all die männliche Schön-
störend? Ist das wohlabgewogene, sauber geglie- heit spiegelnd, die den Fürsten in den letzten Jahr-
derte Pantheon mit der dorischen Rundbogenarchi- zehnten ausgezeichnet hatte. Auf dieser Grundlage
tektur, das nun gemäß Beschluß vom 18. Okto- wird Lederer zu einem noch strengeren, einheit-
ber an seine Stelle tritt, wirklich besser? Ist liehen Ganzen gelangen. Eine echte Weihestatue
es ein gewaltiges, ein epochemachendes Werk, des Fürsten wird er schaffen. Eine Weihestatue, die
oder ist es vielleicht nur ein kluger Kompromiß den letzten Rest gemeiner Alltäglichkeit abgestreift,
— geschaffen, um allen Parteien gerecht zu wer- und nur den Begriff des edlen deutschen Heros
den? — Die Zukunft wird entscheiden. Heute ist verkörpert zeigt.

nur die Frage zu beantworten, die alle Streiten- Diesem Heros eine würdige Weihestätte, einen

den gleichmäßig interessiert: Wird das Bismarck- still umfriedeten Raum zu bauen, ist Kreis berufen,

denkmal auf der Elisen- Wie wenig entsprach in

höhe eine tüchtige, eine___ _ dem früheren Entwurf

künstlerisch wertvolle der kanle- von klobi-

Leistung? Daß Lederer sPaIt £en Fackelträgern zer-

den plastischen Teil der BSBgK ^Stv teilte Innenraum solchem

Aufgabe befriedigend lö- *&ßiMt{' Zwecke! Jetzt hat Kreis

sen würde, darüber war ^EjBv -^^i den kreisrunden Haupt-

man in Fachkreisen ziem- «K"- i ' ^f- räum durch Nischen ge-

lich einig. Bedenken wur- I^KrorV ^ gliedert, die mit schlich-

den fast ausschließlich WBtif f / ten dorischen Säulen und

von Laien geäußert, die ■B||ji ,< ' Gebälk sich zum Kuppei-

den sitzenden, heroisier- ^^■IsS&W. 1 v''* - räum hin öffnen. Wie >

ten Bismarck, wie ihn ein ^^HwjHHvil k { l diese Säulen die Wän- Jj

solcher Monumentalbau ^^HfBnSlüSift i ''M de des Zentralbaues De" V

fordert, nur schwer mit SisL i) £i leben, wie aus ihnen wir- v.

ihrem realistischen Ge- kungsvolle Durchblicke f

wissen vereinbaren konn- WWrrTpr ^ durch den hellen Mittel- Q

ten. Heute darf man sich räum auf die Bismarck-

der frohen Hoffnung hin- IHHSISbI gestalt sich auftun! Wie £

geben,daß Lederers Harn- alles jetzt auf die Hebung n

burger Bismarcksäule in der 6 m hohen, in matt- t

dem sitzenden Bismarck wBhB ' ' braunem Stein gedach- ^

auf der Elisenhöhe mit _ _ ^Rj£ S 'M ten Hauptfigur berechnet \

seinem strengen Archais- ^SrmmUKt f$. scheint. Istnichtschließ- 0

mus nicht nur ein gleich- fS&^^jffl^xBnß licn dies feme Zusam- C

wertiges, sondern wahr- ' f ' la-—^" ~~ -■ men wirken von Figurund d

scheinlich ein verbesser- f- 0' ^ umschließendem Raum P

tes Gegenstück erhalten - H [t » die Hauptsache? Erwar- (,

wird. / H 1 -'— 1 ! tet man nicht hier den f

Der Hamburger Bis- fn'-'f ^ - s stärksten, dauernden Ein- \

marckgestalt haftet doch ''"}';%f*z - druck? \

noch ein letzter Rest je- C J.-/jHm Der äußere Aufbau V

ner pathetischen Geste SsS^mSf ^ '~ " f wird beherrscht von der «

an, ohne die man sich 3^fj^_^^fe'"~-^X-_^^~^=^J^^SiXS^^'f^^ Rücksicht auf die Figur y

seit fünfzig Jahren kein -•^mm^S^^T ^.T- V^'^t^fe^^ii^B undaufdie Abmessungen G

deutsches Denkmal mehr ,/.' "* " 4 -Ä^vP^jiiLiS des als Sockel dienenden f

vorstellen konnte. Der J?^i3$ifösy&, 1 C*^ 3& yES&äB&tfk Berges. Daraus ergab {

- f '■^■N^''^'^- ■r-^v f.f ^fijfiBfl s'cn eine Maximalhöhe r<

*i s. auch die Aufsätze in '-^SJcL^Pv tftf~~7 'L&w T^MB von 26 m, von Oberkante f

Jahrg. 1910/11 Aprilheft, Beilage, |_| k V'rX-^i-- ■ ! I (W^k X 'W- des Sockels bis Ober- >

Jahrg. 1911/12 S. 192und Jahrg. QeS ^OC*613 D1S UDer *

1912/13S.44. R. JETT MAR GEIER. ZEICHNUNG (1900) kante des Hauptgesimses >

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