Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 28.1912-1913

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zum sofortigen Austritt aufgefordert, da ein er-
sprießliches Zusammenarbeiten nach dem Vor-
gefallenen nicht mehr möglich sei. Und da
die Minorität der Aufforderung nicht folgte,
erklärte die Majorität aufs prompteste ihren
Austritt. Damit ist die Secession zunächst
gesprengt, da der zurückbleibende Rest, trotz-
dem sich überraschenderweise Lovis Corinth
ihm zugesellte, nicht imstande ist, das Unter-
nehmen mit irgend einer Aussicht auf Erfolg
weiterzuführen. Was nun geschehen wird, ist
zunächst unklar. Vorauszusehen ist, daß die
jetzt Ausgetretenen sich neu konstituieren wer-
den, ob unter einer neuen Flagge, tut am
wenigsten zur Sache. Natürlich sind solche
Künstlerfehden nicht eben geeignet, im Pu-
blikum Vertrauen zu wecken, aber eine ener-
gische Reorganisation der Secession war un-
vermeidlich geworden, sollte sie weiterhin
lebensfähig bleiben. Daß dabei manche Rück-
sichten zurücktreten mußten, war unvermeid-
lich, daß es nicht ohne Sturm abgehen würde,
war vorauszusehen, aber wird der alte Verein
wirklich jetzt gesprengt, so sollte man für
den neuzubildenden die Lehre ziehen. Die
Mitglieder nehmen Pflichten auf sich, und
darum muß man ihnen Rechte geben. Das
Recht auf Ausstellungsmöglichkeit ist, wenn
auch unausgesprochen, in der Tatsache der
Mitgliedschaft einer Ausstellungsvereinigung
gegeben. Darum sollte man es vermeiden,
wieder einen Verein zu gründen und Mitglieder
zu wählen. Ein Arbeitsausschuß, wie etwa
wissenschaftliche Kongresse ihn für die In- GEORGE seurat chahut

terimszeit ernennen, indem sie Selbst als XXVI. Ausstellung der Berliner Secession

solche sich nach jeder Arbeitsperiode wieder
auflösen, müßte auch hier genügen. Und will

man wieder einen Künstlerverein gründen, so sollte Rechte ein Nichtkünstler den Vorsitz führen dürfte,
man ihn unabhängig halten von diesem Ausstel- gleichgültig, ob er zufällig ein Kunsthändler ist,
lungskomitee, in dem dann auch mit besserem wenn es nur der rechte Mann ist, eine Ausstellung

zu organisieren. Und die Beweglichkeit
eines immer sich erneuernden Arbeits-
ausschusses wäre ein Vorteil mehr. In
wechselnder Reihe könnte man die fähi-
gen Männer, einen nach dem anderen,
heranziehen, und jede Ausstellung
könnte ein neues Gesicht haben. Die
lästigen Vereinsintrigen, die derOeffent-
lichkeit im Grunde gleichgültig sein
sollten, hätten nichts mehr mit den Aus-
stellungen zu tun, an denen allein letz-
ten Endes die Nichtkünstler doch An-
teil zu nehmen haben, und auf deren
Gestaltung ihnen billigerweise auch ein
Einfluß eingeräumt werden darf.

Glaser

NEUE KUNSTLITERATUR

Burckhardt, Jakob. Geschichte
derRenaissanceinltalien. Fünfte
Auflage. Bearbeitet von Prof. D r. H e i n-
rich Holtzi nger. Bd. I. Geschichte
der neueren Baukunst. Mit 340 Abbil-
dungen im Text. Geh. M 12.—, geb.
M 15.—. Eßlingen a.N. 1912. Paul Neff
(Max Schreiber).

Die pietätvolle Hand Heinrich Holtzin-
gers, die schon die dritte und vierte
Auflage von Burckhardts klassischem
benno berneis reiter am meer Werk besorgte, ist auch bei Heraus-

xxvi. Ausstellung der Berliner Secession gäbe der neuen, fünften tätig gewesen

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