Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 28.1912-1913

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deutsche Malerei so viel zu erzählen gehabt Großen von Preußen Leben in Holzschnitten

wie jetzt. Es dominierte die gemalte Anek- erzählte, des Fürsten Wirken schilderte, der

dote. Nichts im Alltag ist zu klein, um nicht indirekt so viel für das Erwachen eines deutsch-

den Pinsel interessieren zu können. Jedoch nationalen Fühlens und Strebens getan hatte!

auch hier erwachsen neue Gedanken, vornehm- Die Mitte des 19. Jahrhunderts ist erreicht,

lieh rein malerische. Die zaubervolle Farben- Ein neues Zeitalter ersteht, das des wieder-

pracht, welche die alten Koloristen dort oben in erstandenen deutschen Kaiserreichs. Leben und

den von feucht schimmernden farbenreichen Kunst wandeln sich von neuem.

Tönen umspielten Niederlanden, im Süden _

unter dem über den Lagunen tief erglühenden pRE| MONUMENTALBILDER VON

Himmel hatten aufleuchten lassen, nahm die
Maler ständig mehr gefangen und umstrickte den

LUDWIG DETTMANN

Laien. Man lebte ja nicht mehr in transzenden- A nläßlich der Jahrhundertfeier sind von Ludwig

ten Ideen, im weiten Sinne des Wortes, man „ Dettmann dem Direktor der Königsberger

, ' . , . , , . , . Kunstakademie, drei Riesenbilder gemalt worden:

entfremdete sich mehr und mehr der „blauen Die Ansprache Yorcks an die ostpreußischen Stände

Blume" und erkannte wieder die köstlichen am 5. Februar 1813, die Erhebung des Volkes und

Kinder Floras, die auf der Erde wuchsen. Man der Kampf der Landwehr gegen französische Garde

sah nun die Pracht der Farbe; aber zu sehr ge- <Ab<>- s; 359)- Jed« Bcild.ist H,0m lang und 4,5 m

., . . , ~, , , hoch, also von wahrhaft riesigen Abmessungen, aber

blendet von dem Glänze, der aus versunkenen, auch von einer inneren Gestaltungskraft und einer

noch lebensvoll empfundenen Jahrhunderten technischen Durchführung, wie wir sie bei Dettmann,

herüberstrahlte, blieb man als Kolorist zunächst dem weich Empfindenden, dem malerisch duftig und

zu einem Teil ein Enkel der Natur. Der Führer zart Schaffenden noch nicht gesehen haben. Wenn

■ , , , r\ j auch alles auf Linie und Form, auf übersichtliche

war nur nicht mehr das Quattrocento, sondern Massengruppierung und deutliche Herausarbeitung

die Hochrenaissance, ja der Barock (Rubens), des Stofflichen aufgebaut ist, so macht sich doch

Da der materielle Besitz auch größer geworden auch überall, in der Winterlandschaft des zweiten

war, so forderte der Reichtum seinen Prunk. Bildes und in dem blutigrotem Himmel des letzten

• . , „ . TI . Budes der Stimmungs- und Farbenkunstler bemerk-

Man suchte dafür ein Vorbild, die Hochre- bar Besonders in dem dritten Bilde mit dem Kör-

naissance bot auch dieses. nerschen Geleitvers „Du sollst den Stahl in Feindes

Bereits in den dreißiger Jahren begann sich Herzen tauchen . .." erreicht Dettmann aber auch

die Stellung der Kunst zur gebildeten Gesell- ein= dramatische Wirkung von hinreißender und

i_ <. ii t. •• j r>- <- l- , unbändiger Kraft und Leidenschaft. Das ist nicht

schaft allmählich zu andern. Sie hatte bisher, mehr eine bestimmte Schlachtenepisode, keine Ein-

im Verein mit Religion, Philosophie und Litera- zelheit wie sie hundertfach in jedem Kampfe vor-

tur, das allgemeine Leben beherrscht, jetzt hatte kommt, das ist die allgemeine, wachgewordene

sie dem politisch-sozialen Wollen und dem Volkskraft, die den herrschenden Zeitgeist verkör-

, ..... _ . . . . ,. ... , pert, das ist die Verbildhchung des unbeugsamen

kaufmannischen Betriebe im weiteren Umblick Willens, der alles niederwirft, was sich ihm entgegen-

die erste Stelle einzuräumen. Deutschland be- stellt. Und wie klar und plastisch treten die Grup-

ginnt politisch mit männlich fester Hand einzu- Pen hervor, sind die Massen gegliedert, ist rein

greifen. Aus den romantischen Träumen er- Kompositionen eine Abstufung in das Bild gebracht!

. _ . „ . , ., Den Massen werten sind aber auch Farben werte ge-

wuchs der Ernst des Lebens. Hegel schreibt genübergestellt, die sich trefflich das Gleichgewicht

1830: Gegenwärtig hat das ungeheure politi- halten. Mag auch diese oder jene Einzelheit etwas

sehe Interesse alle andern verschlungen. Das summarisch, vielleicht auch zu flüchtig behandelt

Weltbürgertum war hinabgesunken, das vater- ?ein> dieser oder 'enerK?riKff nlcht «ani d?r Wirklich"
... ,• , i ™r~ . • « • keit entsprechen, so bleibt dieses Werk doch ein
landische Wollen und Wünschen herrschte. Die Markstein in der Entwicklung Dettmanns zum Linien-
Julirevolution rief auch in Deutschland gewal- und Formenstil, vom Lyriker zum Dramatiker und
tige innere Erregung und tatenfrohes Wollen Monumentalkünstler. dr. a. ulbrich
hervor. Das Jahr 1848 bereitete sich vor.

Wir bemerken in der Malerei der ersten PERSONAL-NACHRICHTEN
vierziger Jahre ein auffallend starkes Streben, tjanNOVER. An Stelle des Direktors Dr.Behnke,
das schlechthin Gesehene sehr realistisch, der zum Leiter des Hannoverschen Provinzial-
schmucklos wahr zu geben. Der bedeutendste museums berufen war, ist jetzt nach etwa ein-
Vertreter ist Menzel, dessen Werke aus diesen ianriger interimistischer Amtsführung Dr.Brinck-
„ .. • T , oi- mann zum Direktor des in starkem Aufschwünge
Zeiten vor wenigen Jahren so großes Erstaunen befindiichen städtischen Kestner-Museums, dem
wachriefen. Wer meinen Darlegungen gefolgt auch die übrigen städtischen Sammlungen unter-
ist, wird darüber wenig erstaunt sein, vielmehr stellt sind, ernannt worden. pi.
verstehen, warum endlich ein Meister wie Men- ("GESTORBEN: In Düsseldorf™ Alter von 56Jahren
zel erstand, der im Volkstone, aus dem star- , Maler Theodor Groll jr bekannt durch
, . . ; .... r. t j landschaftliche Architekturbilder; in Charlottenburg,
ken deutsch-politischen Empfinden heraus und 52jahre ait, der Bildhauer Hans Arnoldt, Schöpfer
scharfäugig in die Welt blickend Friedrich des verschiedener Denkmäler.

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