Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 28.1912-1913

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KULTURGESCHICHTLICHE GRUNDLAGEN
DER DEUTSCHEN MALEREI

VON ETWA 1780 BIS ETWA 1840 (ODER VON CARSTENS BIS MENZEL)
Von Berthold Haendcke
II

Fragen wir uns jetzt, wie sich die Malerei zu nik mehr als eines deutschen Malers, nicht
alledem stellte, so muß die Antwort lauten, nur Graffs, eine durchaus solide war, daß Car-
sie bildete einen Teil davon, gehörte allem stens niemals in seinem Leben die oft gar
Müssen dieser Epoche an. Der Träger der Rieh- nicht schlechte Kenntnis des Aktes von Seiten
tung, in der vornehmlich die Neigung zur An- der Akademiker errungen, daß er zu keiner
tike eine formale Wiedergabe fand, war J. As- Zeit tadelsfrei gezeichnet hat.
mus Carstens. Sein Leben als Künstler wurzelt Carstens hatte sich mit Erinnerungsbildern
zunächst im Widerspruch gegen Inhalt und aus der antiken Plastik erfüllt, die er durch
Form der herrschenden künstlerischen Auf- eigene Aktstudien nicht berichtigt, aber mit
fassung. Daß dieser Widerstreit zu einem Teile einer in Herz und Sinn gefühlsmäßig erfaßten
unberechtigt war, sei nur kurz angemerkt, denn Kontur umrissen hat. Er hatte diese sich da-
es darf zur Steuer der Wahrheit nicht ver- durch erworben, daß er die lebende Natur
schwiegen werden, daß die malerische Tech- scharfsichtig betrachtete. Die Begründung, die

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