Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 38.1922-1923

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BONAVENTURA GENELLI
AUS DEM LEBEN EINES KÜNSTLERS*)

Der Reihe geschriebener Künstler-Selbstbiogra-
phien von Schinkel, Tischbein, Louise Seidler
hat der Propyläen-Verlag ein menschliches Doku-
ment hinzugefügt, das die einzigartige Form einer
Selbstbiographie in Bildern darstellt. Es sind die
vierundzwanzig gezeichneten Kompositionen, in
denen Bonav. Genelli von seinem Leben oder
vielmehr „von den wenigen heiligen Stunden,
die er dieser Bezeichnung für wert erachtete",
sich und der Nachwelt Rechenschaft gegeben hat.
„Aus dem Leben eines Künstlers" nannte Genelli
diese Folge. Sie erschien 1868, seinem letzten
Lebensjahre, in Kupfer gestochen. Den einzelnen
Tafeln hatte der Herausgeber, Max Jordan, kurze
Erläuterungen beigefügt, die von Genelli selbst
inspiriert waren. Jene durch mehrere Künstler
angefertigte Umsetzung der Zeichnungen in Kup-

•) Bonaventura Genelli. Aus dem Leben eines Künst-
lers. Herausgegeben und eingeleitet von Ulrich Christoffel.
Berlin, Propyläen-Verlag, 1923.

ferstich ließ naturgemäß die Schönheit der zeich-
nerischen Handschrift Genellis untergehen und
es gehört zu den glücklichsten Gedanken, diese
Meisterwerke jetzt in einem die Originale treu
wiedergebenden Druckverfahren der Öffentlich-
keit bequem zugänglich gemacht zu haben. (Die
Zeichnungen selbst sind im Leipziger Museum
verwahrt.)

In diese Kompositionen hat Genelli ein Bekennt-
nis seiner menschlichen und künstlerischen Per-
sönlichkeit versenkt, das uns mehr von seinem
Wesen erschließt, als Worte es könnten. In seinem
sechsten Dezennium, von der Höhe seines Lebens
— in den 1850er Jahren — hielt Genelli Umschau
über die Stunden, die vor dem Zurückblickenden
Wert und Bedeutung für sein geheimeres seeli-
sches Leben behalten hatten. Alles Zufällige und
Nebensächliche versank vor vierundzwanzig Bil-
dern, die vor ihm erstanden und ihm das Heiligste
seines Lebens verkörperten. Aus Erinnerungen

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