Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 38.1922-1923

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MODERNE TENDENZEN IN GOETHES SAMMLERTÄTIGKEIT

Goethe war kein Kuriositätensammler und venezianischen Gläsern, von Elfenbeinarbeiten

er war kein Spezialist des Sammeins. Mit und Gemälden, also von ziemlich heterogenen

anderen Worten: seine Art des Sammeins hatte Dingen, und berichtet, wie all diese Gruppen

nichts mehr gemein mit den Sammler-Leiden- fein säuberlich registriert und symmetrisch

Schäften, die das 16. und das 17. Jahrhundert geordnet wurden. Dann aber geht er zu der

geweckt hatte, und selbst nichts mit den anderen Seite des väterlichen Sammelwesens

Sammel-Neigungen des 18. Jahrhunderts. Sein über und lehrt uns den Herrn Rat als pfleg-

Vater wurzelte als Sammler noch ganz in samen Sammler zeitgenössischer Malerei kennen,

der Vergangenheit, im Zeitalter der „kuriosen aber nur einer Malerei, der er die Stoffe, die

Gemüter", und war andererseits ein echter Technik und das Format vorschreiben konnte.

Repräsentant der neuen Interessen des 18. Jahr- In dieser Beziehung enthielt die Sammlung

hunderts für irgendein Sondergebiet. Goethe daher nur Werke von Frankfurter, Darmstädter

selbst berichtet davon in „Dichtung und Wahr- und sonstigen Künstlern der nächsten Nachbar-

heit". Er schildert uns seinen Alten Herrn schaft, und nur von solchen, deren Kunst von

als den gewissenhaften Sammler von Natura- niederländischen Vorbildern lebte,
lien und Bronzen, von Jagdgewehren und Goethe war diese Art des Sammeins ein

OSKAR GRAF RADIERUNG ZU GOETHES TOTENTANZ

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