Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 19.1921

Seite: 372
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SCHWARZ-WEISSAUSSTELLUNG

DER BERLINER AKADEMIE DER KÜNSTE

VON

KARL SCHEFFLER

Ausstellung muß im allgemeinen als unzulänglich
bezeichnet werden. Sie ist nicht rücksichtslos nach dem
Programm, nur hochwertige Arbeiten zuzulassen, gemacht
worden, sondern rücksichtsvoll, das Satzungsrecht anerken-
nend, daß alle Mitglieder der Akademie der Künste aus-
stellungsberechtigt, juryfrei und vor der Hängekommission
gleich sind. Liebermann hat etwa zehn Quadratmeter Behang-
fläche, darum sollte Kampf, mußten Hugo Vogel, H. Herrmann,
O. H. Engel und andere ebensoviel haben. Nach diesen
Grundsätzen ist zugelassen, gewählt und gehängt worden.

(Die Vignette ist das Detail einer Zeichnung von M. Klinger. Mit Erlaub-
nis des Verlages E. A. Seemann, Leipzig. Aus dem Besitz des Museums der
Bildenden Künste zu Leipzig.)

LOVIS CORINTH,BILDNIS SEINER TOCHTER,FÄRB.ZEICHNUNG

MIT ERLAUBNIS VON FRITZ GURLITT, BERLIN

Wünschenswerte Gäste aber sind nicht eingeladen worden,
wohl in der richtigen Erkenntnis, daß sie doch nicht gekommen
wären, nachdem sie bei der letzten Akademiewahl brüsk
beleidigt worden sind. Man mag gegen Zeichner wie Pech-
stein, Heckel, Kirchner und andere einwenden, was man
will: daß sie interessanter, begabter und besser sind als
die meisten der am Pariser Platz diesmal versammelten
Zeichner und Graphiker, bedarf keines Beweises. Eine
kleine Ausstellung könnte man auch ohne sie machen,
nicht aber eine alle Räume füllende Ausstellung, die
von gegenwärtiger deutschen Zeichenkunst einen Begrill
geben soll.

Wunderschön ist die Wand Liebermanns. Man sieht
einige Perlen älterer Zeichenkunst: das Wasserfarbenbildnis
der Gattin auf dem Sopha, eine Judengasse, eine Floren-
tiner Landschaft (Pastell), einige Bildnisradierungen und
anderes. Das sind klassische Arbeiten. Doch hätte die
Sammlung noch eindrucksvoller zusammengestellt werden
können, es ist nicht halb getan, was hätte getan werden
können.

Slevogt steht mit einer Folge schöner und reicher
Märchenzeichnungen, die den ganzen Ablauf jedes Märchens

O. KOKOSCHKA, BILDNISLITHOGRAPHIE

MIT ERLAUBNIS VON PAUL CASSIRER, BERLIN

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