Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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Aua den Gemäldesammlungen in Olmütz und Kremsier.

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verwandt ist eine Darstellung des siegreich heimkehren-
den David, die im November 1891 im Wiener Kunst-
handel aufgetaucht, mir aber bald aus dem Gesichtsfelde
entschwunden ist. Bei A. Zweig in Wien sah ich vor
einigen Jahren ein Bild mit einer Mahlzeit, das mir den
Van Herp ins Gedächtnis brachte. In der Sammlung
Kuranda kenne ich ein Van-Herp'sches Sittenbild (der
geschlachtete Ochse). Dieses ist schon bei Waagen
hervorgehoben.

Das neu aufgefundene Bild in Kremsier zeigt in
der Anordnung die größte Verwandtschaft mit dem
Harrachbilde und dem in der Bnte-collection. Auf dem
letztgenannten kehrt sogar die Architektur des Mittel-
grundes genau wieder, ebenso wie sich eine männliche
Figur rechts im Mittelgrunde, mehrere Gesichtstypen
und einige Kleinigkeiten, wie die Schlüssel mit einem
großen Petersilienbündel und ein mit Weinlaub be-
kränztes Römerglas auf beiden Bildern wiederholen. Die
Palette ist ungefähr dieselbe helle, zu grauen und grau-
violetten Tönen neigende, wie auf dem Harrachbilde.
Hie und da klingt ein wenig Rubens und Cocques an,
bei einigen Gesichtern Teniers. Eine entfernte Verwandt-
schaft mit Jacob Jordaens, wie beim Berliner Van Herp
ist mir hier nicht aufgefallen.

In der Zeichnung sind die spitz ausgezogenen Finger
besonders auffallend. Die Signatur findet sich auf dem
Fußboden gegen links unten: „G. V. HERP". Eine
Wiederholung des Bildes, das vorne acht Erwachsene
und ein Kind, um einen Tisch angeordnet, aufzuweisen
hat, war vor einiger Zeit bei Jasper zur Wiederher-
stellung Sie befindet sich gegenwärtig auf Schloss
Sommerau bei Spital am Semmering beim Grafen G.
Brunswick. (Auf Leinwand. Breite 0,85, Höhe 0,61.)

Sehr beachtenswert ist neben dem Van Herp noch
ein signirtes Stillleben des Feder Bocl, das sehr packend
wirkt durch die Kraft des Vortrages und der Farbe.

K. N. F. VI, S. 15) sich dem Schweriner Bilde nähern, oder
den sicheren Arbeiten, vermag ich nicht anzugeben. Bin G.
v. Herp aus der Sammlung Cronenboürgh in Amsterdam war
später bei G. Winkler in Leipzig. Redford's „Art Sales"
verzeichnet einige Van Herps im Londoner Kunstbandel des
vorigen Jahrhunderts. An das Bild der Galerie Aremberg
(bei W. Burger Nr. 87) erinnere ich mich nicht mehr ge-
nügend bestimmt, um es in die Erörterung mit einbeziehen
zu dürfen. Nach der schlechten Lithographie von Ch. Sprayt
kann man ja nicht urteilen. Das Bild in der National-Gallery
in London ist ebenso sehlecht gehängt als katalogisirt, so
dass es hier ebenfalls wegbleiben muss. Im Nationalmuseum
zu Stockholm wird dem G. v. Herp ein Gemälde zugeschrieben
(Nr. 461). Einige Werke des "Van Herp, die hier nicht ge-
nannt, aber bei O. Granberg (collections privees de la Suede)
erwähnt werden, habe ieh bisher noch nicht kennen gelernt.
— Das Bild aus dem Vorrat in Kremsier ist meines Wissens
nur ein einzigesmal u. z. mit entstelltem Namen in der
Litteratur erwähnt. In Hormayr's Archiv von 1825, S. CS9
steht es als Bestandteil der Olmützer Galerie erwähnt und
als Werk eines „E. v. Harp".

Vorne liegen allerlei Früchte, to*,e Vögel und eine ge-
buckelte, reich geformte Goldschale. Rechts ganz vorne
ist ein Stück eines Säulenknaufes sichtbar. Im Mittel-
grunde auf einem Koffer links eine Katze. (Leinwand,
Breite 1,14, Höhe 0,79.) Die Tiere erinnern lebhaft
an die feinere härtere W7eise des Jan Fyt, der ja nur
um wenige Jahre älter war, als Peter Boel. Die Sig-
natur des neu auftauchenden Bildes lautet: „P. IiOEL"
und ist in dunklen ziemlich schwunghaft sorglos hinge-
setzten Zügen ausgeführt. Boel der Malerradierer ist
ein geradewegs seltener Meister. Nur von Boel'schen
Hand Zeichnungen ist eine große Anzahl erhalten. An-
nähernd ebenso rar ist auch Alexander Coosemans, von
dem eines der neu hervorgeholten Bilder herrührt.
Selbstredend ist's ein Stillleben mit Obst und Gemüse,
um das es sich hier handelt, ein Bild von gewählter
Lichtführung mit hellem Vordergrunde und dunkleren
Fernen. (Lwd. Breite 1,15, Höhe 0,80.) Die Signatur
„A. Coosemans" in halb cursiver Lateinschrift steht
rechts auf einem Steine.

Unter den Niederländern sind noch zwei, allerdings
nicht allzu gehaltvolle, Werke des Johann Thomas zu
nennen, die schon vom alten Inventar der Kremsier-
Olmützer Galerie aus dem Jahre 1691 verzeichnet
werden. ') Es sind Breitbilder akademischen Formats,
deren eines einen kleinen Triumph des Bacchusknabeu
darstellt, wogegen das andere drei Knaben bei einem
Lamm in einer Landschaft aufweist. Offenbar ist das
Christkind und der Johannesknabe darunter. Rosige
Leiber; etwas derbe Mache. Auf dem zweiten Bilde
die helle Signatur: „Joannes Thomas fecit 1672".

Auch deutsche Bilder sind zu den älteren Mit-
teilungen nachzutragen: so acht kleine, Tafeln spätmittel-
alterlichen Stils und vermutlich von fränkischer Her-
kunft. Sie stammen zweifellos von einem großen Altar-
werk.

Zwei Bilder vom älteren Cranach dürfen nicht über-
gangen werden, obwohl sie kaum völlig eigenhändig
sein werden. Viele Einzelheiten sind fein und des Meisters
würdig. Beide Tafeln (wie es scheint aus Buchenholz)
messen je 0,84 in der Höhe, 0,58 in der Breite und
bringen in figurenreicher Komposition die Martyrien
einerseits der Heiligen Katharina von Alexandrien,
andererseits des Heiligen Johannes Baptista zur An-
schauung. Auf dem Johannesbilde findet man links an
einer Hellebarde die gelbe Schlange mit aufgerichteten
Flügeln und darunter die Jahreszahl 1515. Links unten
ein bischöfliches W7appen. Die Cranachforschung wird
sich um die beiden Bilder zu bekümmern haben, deren
eines im alten Inventar von 1691 vorkommt.

Zwei kleine männliche Bildnisse aus dem Jahre

1) Vergl. Mitteilungen der k. k. Centraikommission zur
Erforschung und Erhaltung der Kunst und historischen Denk-
male N. F. Bd. XIV, S. 18G, Nr. 107, 2 Stücke.
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