Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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Die internationale Ausstellung in Berlin. I.

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einer für das Denkmal entworfenen Modellskizze. —
Unter den Werken der Malerei, welche vom Ministerium
für Kultus und Unterricht im Laufe der letzten Jahre
in Auftrag gegeben wurden, heben wir in erster Linie
die für die römisch-katholische Kathedrale zu Lemberg
bestimmten Glasgemälde hervor. Mit der Ausführung
der inzwischen vollendeten Kartons zu diesen Bildern
waren die aus Galizien gebürtigen oder dort ansäßigen
Maler Josef Mehoffer, Stanislaus Kaczor-Batowski,
'Thaddäus Popiel, Stanislaus Wyspianski, Julian Ma-
karewicz und Theodor Axenlowicz betraut. Die Dar-
stellungen der Gemälde beziehen sich großenteils auf die
Gründung der Lemberger Kathedrale und versprechen
einen würdigen Schmuck des Gotteshauses zu bilden. —
Sigmund Ajdukiewicz hat den Auftrag erhalten, auf
Rechnung der staatlichen Kunstkredite ein Porträt des
Ministers Dr. Kittner für die Lemberger Universität zu
malen, an welcher Dr. Rittner als Professor und Rektor
wirkte. Der Maler Vlaho Bukovac aus Ragusa wurde mit
der Ausführung eines Kaiserporträts für die Statthaltern
in Zara betraut. — Prof. W.Noltsch malte ein Porträt des
verstorbenen F. v. Hochstetter für die technische Hoch-
schule in Wien. — Auf Grund von Skizzen, welche der Maler
Franz Rüben auf einer Studienreise in Bosnien und der
Hercegowina kürzlich machte, hat der Minister für Kultus
und Unterricht diesen Künstler auf Rechnung der staat-
lichen Kunstkredite mit der Ausführung eines größeren
Gemäldes aus dem dortigen Volksleben betraut. Rüben
wird sich zu diesem Behüte nächstens nach Bosnien be-
geben. Auch das Altarbild, welches der Maler Felix
Jenewein in Prag unlängst für die Decanatskirche in
Chrudim vollendete, ist eine Bestellung des Ministeriums
für Kultus und Unterricht. Das wohlgelungene Bild
stellt die Predigt des heiligen Franciscus Seraphicus dar.

Ferner hat dasselbe Ministerium in der letzten Zeit
auch aus dem Pauschalkredite für Restaurirungszwecke
wiederholt Subventionen bewilligt. So z. B. für die
Instandsetzung des Schutzbaues über dem Brunnen bei
der Pfarrkirche zu St. Wolfgang in Ober-Österreich.
Der schöne Brunnen mit seinem kuppeiförmigen, auf
Säulen ruhenden Dach ist den kunstsinnigen Besuchern
St. Wolfgangs wohlbekannt. — Auch die Kosten der
Restaurirung eines Plafonds in dem Gebäude der Lehrer-
bildungsanstalt in Krems wurden vom Unterrichts-
ministerium übernommen. Der Plafond ist mit schönen
alten Stuckdekorationen versehen, welche im Laufe der
Zeit stark gelitten haben. — Mit Hilfe einer Subvention
aus den Fonds für Erhaltung alter Denkmäler wurden
auch die zwei Denksäulen in Klagenfurt, die Dreifaltig-
keitssäule (vom Jahre 1681) und die Florianistatue (vom
Jahre 1781) vor dem drohenden Verfalle bewahrt.

Schließlich sei hier eine interessante Erwerbung
verzeichnet, welche vor kurzem aus Staatsmitteln für
das archäologische Museum in Aquileja gemacht worden
ist. Eine antike, inschriftlich aus Aquileja stammende

Ära mit höchst bemerkenswerten, in ihrer Art einzigen
Reliefdarstellungen an zwei Seiten, ehemals im Besitze
der Grimani, die im Kunsthandel wieder aufgetaucht war,
wurde vom Ministerium für Kultus und Unterricht zum
Preise von 3000 Lire für das genannte Museum erworben.

Soviel für heute, um wiederholt darzuthun, dass in
Österreich, trotz der den Behörden auferlegten Sparsam-
keit, eine stets rege, für Kunst und Wissenschaft gleich
ergiebige staatliche Thätigkeit herrscht, welche allen
Teilen der Monarchie in gleicher Weise zu gute kommt.

DIE INTERNATIONALE AUSSTELLUNG
IN BERLIN.
I.

Unter der Regierung Kaiser Wilhelms II. ist die Kunst
in Preußen nicht mehr das Stiefkind des Staates. Nicht
nur dass die Staatsregierung den Beutel so weit aufthut,
wie es die Finanzverhältnisse nur immer gestatten, mehr
noch erwärmt die lebendige persönliche Anteilnahme des
Kaisers selbst, der sozusagen mit der einen Hand Auf-
träge über Aufträge erteilt und mit der anderen rasch
eingreift und fördert, wenn das bureaukratische Räder-
werk zu langsam geht. Wie sehr ihm die Kunst-
interessen am Herzen liegen, hat er am 2. Mai bei dem
feierlichen Akte in der Rotunde des Museumus be-
sonders lebhaft bezeugt. Was ihm am 1. Mai, bei der
Eröffnung der Gewerbeaussteilung in Treptow, nur eine
Pflicht war, war ihm am Tage darauf sichtlich ein
Herzensbedürfnis. Dort hatte er den Strom der Reden
über sich ergehen lassen, ohne darauf zu erwidern, hier
nahm er selbst das Wort, und man hörte aus dem
Klange seiner Stimme, aus der scharfen Betonung einzelner
Worte heraus, dass es ihm Ernst sei mit der Beschaffung-
eines neuen würdigen Heims für die Hauptflegestätte
der Kunst, für die Akademie und für die Hochschule
der bildenden Künste. Es haben auch schon Erhebungen
stattgefunden, aus denen hervorgeht, dass die jetzige
Kunstakademie nebst den jetzt anderen Zwecken dienenden
Hintergebäuden für die Räume der Akademie der Wissen-
schaften und der Künste und zugleich für ein Aus-
stellungsgebäude ausreichen werde. Auch die persönliche
Kunstänschauung des Kaisers klang sehr vernehmlich
aus einer Wendung heraus, die eine Antwort auf eine
gleiche Wendung in der Rede des Präsidenten der
Akademie bildete. Hatte dieser, wie schon bei früheren
Gelegenheiten, auf das kunstfeindliche Treiben gewisser
Schwarmgeister hingewiesen, denen die Akademie einen
Damm entgegen bauen müsse, so betonte der Kaiser mit
merklich erhobener Stimme, dass nur diejenigen seines
Schutzes und Wohlwollens gewärtig sein können, die
an den überlieferten Idealen festhalten. Discite, moniti!
Wie vielseitig diese Ideale sein können, bewies der
Kaiser alsbald selbst, indem er von dem Throne herab-
stieg und in den Kreis der Senatoren trat, die in ihren
scharlachroten Trachten der Prokuratoren Alt-Venedigs,
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