Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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Bücherschau.

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und mehr wird Koepping auch wohl nicht beabsichtigt
haben.

Hans Thoma, auch einer von den Vielumstrittenen,
ist mit einer ganzen Reihe neuer Arbeiten, sämtlich
Lithographieen von diesem Jahre, vertreten. Schlicht
wie immer, treuherzig-, unbekümmert geht er seine
Straße dahin und selten wendet man sich wohl ab von
ihm, ohne etwas empfunden zu haben, das Dankbarkeit
erweckt. Übrigens ist er der geborene Holzschneider
und Steinzeichner. Selbst die Landschaften sind meistens
wie aus Holz geschnitten; in Linien mehr als in Flachen
hauen sie sich auf, später nachkolorirt. Interessant ist
liier wieder das Selbstbildnis, das so ganz wie die
Grandnote zu dieser einfachen Instrumentation erscheint,
die meistens im Dreiklang blau, grau und gold, oder
grün, weiß und blau (oder violett), klar und ab-
geschlossen, voll innerer Ruhe erscheint. — Ihm innerlich
nicht nur verwandt, ebenso einfach und schlicht, wenn
auch in der Behandlung verschieden, ist Wilhelm Stein-
hausen's „Weihnacht", ein von der Wiener Akademie
der bildenden Künste angekauftes, in goldigem Licht-
braun gestimmtes schönes Blatt.

Wie stark die Radirung überall getrieben wird,
zeigen die „freien Vereinigungen", die in allen Kunst-
centren Deutschlands aufblühen, in Weimar, Karlsruhe,
(ein sehr stimmungsvolles Landschaftsblatt „Altwasser
vom Rhein" mit kl. Staffage von U. Hübner), München
und Düsseldorf. Letzteres durch eine Auswahl von
Originalen aus der Mappe des Club St. Lucas aus den
Jahrgängen 1892/93 und 1894, darunter Frenz'* origi-
nelle Phantasieen und die Landschafter Jernberg, Heim.
Hermann's und, in sehr stimmungsreichen Motiven,
Eugen Kernig f.

Auch München ist vollzählig mit fast allem seinen
Besten erschienen, vom Jahrgang 1892 bis 1895 des
Vereins für Originalradirang. Die meisten Sachen waren
schon im Sommer auf der Glaspalast-Ausstellung zu
sehen. Ein interessanter Lithograph ist Franz Naager
mit einem Glückskalender und einer hl. Lucaslegende
in lithographischem Druck mit Handkolorirung. Außer-
dem hat er eine „Phantasie" in Aquatinta gebracht.
In sehr repräsentativer Weise ist auch der genugsam
allseitig anerkannte Peter Halm vertreten. Otto Greiner,
auch noch ein Leipziger, von Phantasie und Können,
würde mehr bedeuten, wenn nur Klinger nicht da wäre.
Ja, wenn nur der nicht wäre! —

Auf der heurigen Münchener Ausstellung war eine
junge Gesellschaft zuerst erschienen, die bisher niemand
kannte: „die Worpsweder" nannten sie sich, von dem
gemeinsamen Studien- und Aufenthaltsort Worpswede
in der Bremer Marschgegend. Dass sie ehrlich und
ernst waren, lässt sich nicht leugnen, ihr durchschlagen-
der Erfolg (Medaille Nr. I. und Ankauf der Pinakothek)
kam zwar nicht unverdient aber überraschend. Einer
aus ihrer Schar, und nicht der Geringste, ist Fritz

j Overbeck. Es geht ein großer Zug durch seine Land-
schaften, die in breiten Massen aufgenommen, nicht
ganz realistisch sind und auch nicht komponirt. So
' ine Art phantastischer Realismus. Wer das Moor des
Nordens in seiner ganzen Stimmungsintensität einmal
in sich aufzunehmen Gelegenheit gehabt hat, der fühlt
es heraus aus diesen kräftigen Motiven: „Windmühle"
(Aquatinta), Studie von I Saumstämmen oder der wunder-
vollen Baumgruppe im Moor. Dass die Wiener Akademie
auch unter seinen Sachen die „Alte Brücke" aquirirt
hat, begrüßt man daher mit Freude.

Namen aufzuzählen, ist nicht die Absicht dieses
Rundgangs, hei dem man noch Theodor Meyer-Basel,
Willielm Rohr, Bohle, Saltler, Daxio, Schönleber, Max
Liebermann u. s. w. in voller Rüstung Seite an Seite
marschiren sieht.

Im deutschen Holzschnitt stehen die Arbeiten
Sohlumpreehfs und Oswald Kresse's zu den „Fliegenden
Blättern" mit obenan. Neben ihnen Max Bärmfänger
mit Arbeiten nach Gysis und Franz Hals.

Von dem deutschen Saal kommt man, mit den
Niederländern vereinigt, zunächst an einer Ecke von
wenigen aber guten Dänen vorbei. Von Peter Severin
Kröger trifft man einen Fischerkopf (Lithogr.), von Kurl
Bloch eine Sünderin vor Christus (nach dem Wortlaut im
8. Kap. Johannes. Vers 7) und mehrere Landschaften.

Die Belgier sind von Antwerpen am zahlreichsten ge-
kommen, und im Figürlichen, wie immer, hervorragend,
j Sie komponiren durchschnittlich mehr als die Holländer.
Ihre Phantasie ist fruchtbarer, während sie ihren
Nachbarn auch in der Stimmungslandschaft, wenn viel-
leicht an Zahl, so doch nicht an Qualität nachzugeben
brauchen.

BÜCHERSCHAU.

v. Volkmann, Hans, Afrika. Studien und Einfälle eines
Malers. (Leipzig, Breitkopf und Härtel, Preis 10 M.)
Bin ethnographisch-komisches und geographisch-phan-
tastisches Bilderbuch mit zwölf farbigen Darstellungen afri-
kanischen Lebens, das von der ungebundenen Phantasie eines
Malers auf oft wunderliche Weise variirt wird. Die Blätter er-
innern hier und da an Oherländer's gewandten Stift: der
Zoolog in tausend Ängsten, die Liebe am Nil und der Pa-
rademarsch der Sträuße sind mit lustigem Humor entworfen;
einiges, wie die Riesenspinne unter den Leoparden ist mehr
Traumvision. Es ist ein amüsantes Bilderbuch für aufge-
weckte Kinder und zeigt die Wunder des schwarzen Erd-
teils in einem drolligen Zuschnitt, abhold der Romantik, an
den sich sonst jugendliche Gemüter bei der Lektüre von
fremden Ländern und Menschen zu berauschen pflegen.

Röchling, C, und Rieh. Knötel. Der alte Fritz in fünfzig
Bildern für Jung und Alt. (Berlin, Paul Kittel. Preis M. 6.—)
Dieses in farbigem Buchdruck ausgeführte Bilderbuch
führt dem Beschauer fünfzig Lebensmomente des großen
l'reußenkönigs vor Augen. Ks beginnt mit der Scene, wo
der vierjährige Kronprinz zu seiner Schwester Wilhelmine
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