Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine,

HERAUSGEBER:

CARL von LÜTZOW und Dr. A. ROSEN BERG

WIEN
Heugasse 58.

BERLIN SW.
Wartenburgstraße 15.

Verlag von E. A. SEEMANN in LEIPZIG, Gartenstr. 15. Berlin: W. H. KÜHL, Jägerstr. 73.

Neue Folge. VII. Jahrgang.

1.895/96.

Nr. 8. 12. Dezember.

Hie Kunstchronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
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leisten Redaktion und Verlagshandlung keine Gewähr. Inserate, ä 30 Pf. für die dreispaltige Petitzeile, nehmen außer der Verlagshandlung
die Annoncenexpeditionen von Haasenstein & Vogler, Rud. Mosse u. s. w. an.

abnahme alten firnisses von öl-
gemälden mittelst regenerirens
und wasser.

von dr. B ÜTTNER- PFÄNNER ZU THAL.
(Schluss.)

Was wir im vorigen Teile auseinandergesetzt,
haben, gilt zunächst nur von Harzfirnissen. Öl-
firnisse sind weit schwerer zu entfernen, weil man
hierbei keinen Unterschied in der Substanz mehr
hat und höchstens noch ein solcher im Alter be-
steht. Jüngere ülschichten lösen sich viel leichter
and früher im Apparat als ältere. Man sollte daher
sobald wie möglich an das Restauriren derjenigen
Bilder denken, die in unserem Jahrhundert mit der
total falschen Methode des „Nährens der Ölbilder
durch Lein- oder Mohnöl" behandelt sind. Die Mittel
nur sind schwieriger anzuwenden. Bei dem Harz
hatten wir eine andere Wirkung der Alkoholdünste
auf dieses als auf die Ölfarbe, letztere wurde über-
haupt nicht angegriffen, hier haben alle Rezepte
gleichen Einfluss auf Ollack wie auf Ölfarbe. Meine
bisherigen Versuche sind leider noch zu keinem End-
resultat gelangt, jedoch möchte ich sie mitteilen,
um eventuell dadurch auch Anregung zu geben zum
weiteren Studium. Ich habe nun dieselbe Prozedur
angewandt wie beim Harzfirniss, nur statt Alkohol
nehme ich ein Gemisch von 6 Teilen Terpentin,
2 Teilen Kampfer und 2 Teilen Chloroform, dessen
Dünste ich gegen die Schicht wirken ließ. Den
ersten Versuch machte ich mit einem wertlosen ris-
sigen Bilde; ich ließ es eine ganze Nacht in der
Kiste und bemerkte, dass beim Herunternehmen des

Firnisses auch die Ränder der Risse stark in Mit-
leidenschaft gezogen waren. Die Dünste waren durch
die Risse auch an die Ölfarbe gekommen und hatten
diese erweicht. Um diesem Übel abzuhelfen, rege-
nerire ich jetzt zunächst nach Einreiben mit Phöbus,
wische das Bild, ehe ich die Kiste zuschließe, mit
Wasser ab und trockne mit Fließpapier nach. Es
bleibt in den Ritzen dabei immer noch genügend
Wasser hängen, welches eine Wirkung direkt ver-
hütet. Im übrigen muss man die Handhabung weit
öfter wiederholen und wenn es auch nicht zu dem
gleichen Resultat führen kann, wie bei Harzlacken,
so ist es ebenfalls doch gesünder für die Bilder, als
Putzwässer und Messer. Einen Fall möchte ich noch
erwähnen, wo ich den Stein der Weisen gefunden

; zu haben glaubte. Ich hatte anfangs Alkohol und
Ätherdünste angewandt, um auf die Ollackschicht
einzuwirken und kam plötzlich zu dem Resultat,
dass sich die ganze obere Lackschicht wie eine Haut
vom Bilde herabziehen ließ und das Bild in vollster
Frische vor mir lag. Ich triumphirte aber leider zu früh,
denn Versuche an anderen Bildern misslangen aus-

I nahmslos, so dass ich zu einer näheren Untersuchung
der abgezogenen Haut überging. Da fand ich denn, dass
auf einer fläraschicht mehrere Öllackschichten saßen.
Durch die Alkoholdünste hatte sich die Harzschicht
gelöst, die andere dagegen war noch fest und ließ
sich so spielend abziehen. Eine gute Lehre daraus

1 können die Maler ziehen, welche unfertige Bilder

i vor dem Weitermalen lackiren; bei einer später nötig
werdenden Abnahme des äußersten Firnisses laufen
die Bilder leicht Gefahr, dass auch der zwischen den
einzelnen Arbeitsstadien sitzende Firniss loslässt und
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