Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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Personalnachrichten. — Denkmäler.

— Sammlungen und Ausstellungen.

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Es ist leider noch nicht Gebrauch geworden, dass mit
fürstlicher Protektion auch die entsprechende Kunst-
kennerschaft verbunden ist, und so haben wir aus dem
Ehrensaal — abgesehen von den Dekorationsstücken —
nur zu berichten, dass das bekannte Bildnis der Kaiserin
Friedrich in Witwentrauer (ganze Figur) von H. v. Angeli,
ein sehr lebendig komponirtes, von Sommerlust und
Sommerluft erfülltes Bild ans den Befreiungskriegen,
die Ankunft der entführten Siegesgöttin vor den Thoren
Berlins von R. Eichstasdt und etwa noch eine Marine
von Hans Bohrdt, die die Eröffnung des Kaiser Wilhelms-
Kanals, die Ankunft der kaiserlichen Yacht Hohenzollern
bei Brunsbüttel darstellt, ausschliesslich feinere künst-
lerische Interessen befriedigen können. Hier könnte
und müsste Abhülfe geschaffen werden. Bei aller schul-
digen Ehrfurcht vor den Monarchen, unter deren Schutze
die Künste des Friedens blühen, sollte man den Ehren-
saal, der doch eine feierliche Stimmung vorbereiten soll,
nur wirklichen Kunstwerken — ohne Bücksicht auf ihren
Inhalt — einräumen.

Für einen anderen wunden Punkt wissen wir da-
gegen keine Abhilfe. Es ist die Ausstellung der Künstler
Berlins und aller Städte, in denen nicht eine feste Or-
ganisation der darin lebenden Künstler besteht. Ihnen
sind die hinter dem Ehrensaal gelegenen Säle angewiesen
worden, die fremden Besucher sehen ihre Werke zuerst,
und sie werden etwas enttäuscht. Wenn sie dann weiter
in die Säle der Engländer, Franzosen, Italiener, Spanier
u. s. w. schreiten, wenn dann die historische Ausstellung
kommt, dann verstärkt sich über allen diesen Aufregungen
die. zuerst empfimdeneEnttäuschung noch mehr, und dieFolge
davon ist, dass viele Besucher über die Berliner Ausstellung
die Achseln zucken, wobei sie noch von einigen ob-
skuren Zeitungsschreibern kräftig unterstützt werden.
Diese Schreier berücksichtigen aber nicht, daß die große
Ausstellung für die Berliner Künstler der Markt ist,
auf dem sie, um zu leben, ihre zuletzt fertig gewordene
Ware verkaufen wollen. Die Ausländer bringen dagegen
durch besondere Kommissare zusammengebrachte Elite-
ausstellungen, die ebenso wenig ein wahres Bild des
wirklichen Kunstniveau's der betreffenden Länder bieten,
wie die Marktausstellung der Berliner Künstler. Das
muss nachdrücklich hervorgehoben werden, damit der
durch die internationalen Eliteausstellungen großgezogene
Schwindel von der maßlosen Überlegenheit der fremd-
ländischen Kunst über die vaterländische einmal offen-
bar wird und den kritiklosen Bewunderern alles Fremd-
ländischen wenigstens etwas die Augen geöffnet werden.

ADOLF ROSENBERG.

PERSONALNACHRICHTEN.

0 Dr. Friedrich Back, bisher Direktorialassistent am
kgl. Kunstgewerbemuseum in Berlin, ist zum Inspektor des
großherzoglichen Museums in Darmstadt ernannt worden
und hat sein Amt angetreten.

DENKMÄLER.

%* Bei der Enthüllung des Rciterdenlcmals Kaiser
Willielms I. in Frankfurt a. M., die am 10. Mai in Gegen-
wart des Kaisers erfolgt ist, hat der Schöpfer des Denk-
mals, Bildhauer Clemens Bitscher in Düsseldorf, den Kronen-
orden IV. Klasse erhalten.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

*** Im königlichen Palaste in Venedig ist am 11. Mai
eine Ausstellung von Bildern Tiepolo's eröffnet worden, die
in ganz Italien gesammelt worden sind.

Wiener Künstlerhaus. — Die Jury erkannte die vom
Erzherzog Karl Ludwig gestifteten Protektor-Medaillen zu:
1. Eine goldene Medaille für einen ausländischen Künstler:
dem Maler und Illustrator Hermann Vogel in Loschwitz-
Dresden für die Zeichnungen zu Grimm's Märchen. 2. Zwei
goldene Medaillen für inländische Künstler: dem Maler
Johann Victor Krämer in Wien für das Ölbild „Am Strande
in Taormina", und dem Maler Karl Moll in Wien für das
Ölbild „Segelmacher" (Lübeck). — :—

Riga. — In der zweiten Hälfte des August (vom 1. bis
20. August alten Stils) wird bei Gelegenheit des hier tagen-
den 10. archäologischen Kongresses eine archäologische Aus-
stellung stattfinden, die durch die Riga'sche Gesellschaft für
Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen in
würdigster Weise vorbereitet wird. Die Ausstellung wird
hauptsächlich prähistorische Grabaltertümer umfassen, wozu
das Riga'sche Dommuseum, das Museum der Gelehrten
Estnischen Gesellschaft der Universität Dorpat und die
übrigen kleinen Provinzialmuseen ihre wertvollsten Schätze
vereinigen. Gleichzeitig wird eine Schaustellung der ältesten
Urkunden des Landes, darunter besonders eine reiche Aus-
wahl auf Estland bezüglicher Urkunden dänischer Herrscher
des 13. Jahrhunderts, ferner eine numismatisch-sphragistische
und eine Ausstellung der vorzüglichsten älteren Silber- und
Goldschmiedearbeiten aus verschiedenen Teilen der baltischen
Provinzen stattfinden. Ein reich illustrirter wissenschaft-
licher Katalog, der in deutscher und russischer Sprache er-
scheint, befindet sich im Druck. Unabhängig von der archä-
ologischen Ausstellung wird zu derselben Zeit im Dommuseum
eine Porzellanausstellung aus Privatbesitz eröffnet werden.

In Wien hat sich ein Komitee gebildet, welches das
Andenken an den 100. Geburtstag Franz. Schuberts durch
eine Ausstellung im Künstlerhause in der Zeit vom 15. Januar
bis 28. Februar 1897 ehren will. Zur Ausstellung sollen
gelangen: 1) Bildnisse Schubert's in verschiedenen Lebens-
altern, dann die seiner Eltern, Geschwister, Lehrer, Freunde
und Gönner. 2) Abbildungen der Gebäude, in denen er ge-
wohnt und gewirkt hat. 3) Autographe des Meisters und
die ersten Stiche seiner Kompositionen. 4) Jede Art von
Gegenständen, mit welchen eine Erinnerung an den Ton-
dichter verbunden ist. 5) Bildnisse der hervorragenden
Liederkomponisten vor Schubert und seiner musikalischen
Zeitgenossen. G) Bildnisse der ausübenden Musiker, die sich
um die Verbreitung von Schubert's Tondichtungen verdient
gemacht haben. 7) Bildnisse der Dichter, deren Schöpfungen
Schubert zur Komposition angeregt haben. 8) Original-
handschriften der Dichtungen, die der Meister in Musik ge-
setzt hat. 0) Werke der bildenden Kunst, deren Entstehung
auf die von Schubert komponirten Dichtungen zurückzuführen
sind. Die bildende Kunst soll in der Schubert-Ausstellung
auch durch Werke von Schwind, Danhauser und Kupel-
ivieser repräsentirt werden, die sich einst Schubert's Freunde
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