Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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Nekrologe. — Personalnachrichten. — Denkmäler. — Sammlungen und Ausstellungen.

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von jedem verlangt, der sie mit Ehren führen will, hat der
Künstler zugleich die monumentale Wirkung erreicht, die
man von einem Wandschmuck fordern darf. Das Blatt ist
in verschiedenen Abdrucksgattungen von 100—30 M. zu
haben. A. R.

H. A. L. Das unlängst ausgegebene zweite „Vierteljahrs-
lieft des Vereins bildender Künstler Dresdens" entspricht den
Forderungen, die in dem dem ersten Hefte beigegebenen
Programme als Ziel dieser Veröffentlichungen bezeichnet
wurden, in noch weit höherem Grade, als dies bei dem ersten
Hefte der Fall war. Unter den fünf Blättern dieses zweiten
Heftes, einer Radirung, zwei Lithographieen und zwei Licht-
drucken, steht der von Georg Müller-Breslau herrührende
Steindruck, der uns den Tanz von fünf Panen zeigt, oben
an. Ein barocker, in gewisser Hinsicht an Böcklin erinnern-
der Humor würzt die Darstellung dieser fünf hässlichen
Gesellen, deren Wohlbehagen und ungebundene Lustigkeit
sich dem Beschauer ungezwungen mitteilt. Um so ernster
wirkt die Probe, die Ocorg IAihrig aus seiner Todtentanz-
folge, die vor einigen Jahren seinen Namen zuerst bekannt
gemacht hat, dem Hefte beigegeben hat. Er führt uns in
diesem Blatte den Verzweifelnden vor, der, des Lebens über-
drüssig, zum Stricke greift, um sich der Qual des Daseins
zu entledigen. Hinter ihm steht der Tod mit grinsender
Geberde, aus der die Freude über dieses sein Opfer deutlich
hervorgeht. Der künstlerische Wert des Blattes besteht
hauptsächlich in der Feinheit der Lichtbehandlung. Denn
obwohl das Blatt, dem düsteren Inhalt entsprechend, ganz
dunkel gehalten ist, ergeben die helleren Partieen, in die
richtige Beleuchtung gebracht, doch einen ganz eigenartigen
Effekt, der den eigentümlichen Nervenreiz des schauerlichen
Vorganges erhöht. Am wenigsten befriedigt die in Stein-
druck wiedergegebene Skizze Robert Sterl's, eines Künstlers,
von dem man nach seinen bisher bekannt gewordenen Bil-
dern mehr erwarten durfte. Sterl hat auf diesem Blatte
vier Gestalten, zwei alte Frauen und zwei Männer zusammen
gebracht und ihnen die Merkmale des Grames, Missmutes
und Lebensüberdrusses verliehen, wobei er einen so dunklen
Ton gewählt hat, dass man seine Darstellung nur teilweise
erkennen kann. So ist das Blatt im Motiv wie in der Aus-
führung verfehlt, obwohl man auch an dieser Arbeit das
Bestreben Sterl's, möglichst charakteristisch zu verfahren,
bemerken kann. Die in zwei Tönen durch Lichtdruck
wiedergegebene Zeichnung von Karl Medix, auf der wir in
einen Karstwald blicken, gehört gleichfalls nicht zu den
besseren Leistungen dieses Künstlers. Dagegen übertrifft
Otto Fischer in seiner Landschaftsradirung seine Stein-
zeichnung im ersten Hefte bei weitem. Er hat den ein-
fachen Vorwurf, Birken an einem von Schilf und hohem
Grase umgebenen See, mit großer Delikatesse behandelt und
ein namentlich in dekorativer Hinsicht wirkungsvolles Blatt
geschaffen, das nur in kleinen Nebendingen verrät, dass wir
es hier mit einem Erstlingsversuch des Künstlers zu thun
haben. — Jedenfalls lässt dieses zweite Vierteljahrsheft den
Wunsch als berechtigt erscheinen, dass sich das Unternehmen
des Vereins durch die Teilnahme recht weiter Kreise auch
geschäftlich lohnend gestalten möge, damit auch diejenigen
Kräfte desselben, die sich bis jetzt noch nicht an den Ver-
öffentlichungen beteiligt haben, Gelegenheit finden, erfreu-
liche Proben ihres Könnens auf dem Gebiete der graphischen
Künste abzulegen.

NEKROLOGE.

*„* Der Bildhauer Eduard Müller, der Schöpfer der
Prometheusgruppe in der Berliner Nationalgalerie, ist am
29. Dezember in Rom im 6S. Lebensjahre gestorben.

\* Der Bildhauer Rudolf Schweinitz, ein Schüler
Schievelbeins, hat in Berlin am 7. Januar durch Erschießen
seinem Leben ein Ende gemacht. Die misslichen Erwerbs-
verhältnisse der letzten Jahre trieben ihn zu diesem Schritt.
Er stand im 57. Lebensjahre.

%* Der französische Bildhauer Henri Alfred Jacque-
mart, der sich besonders durch Reiterdenkmäler und als
Tierbildner bekannt gemacht hat, ist anfangs Januar in Paris
im 72. Lebensjahre gestorben.

PERSONALNACHRICHTEN.

*„* Sir Frederic Lcigh/on, der Präsident der kgl. Kunst-
akademie in London, ist in den Peersstand des Königsreichs
erhoben worden.

*** Dr. Richard Muther, außerordentlicher Professor der
Kunstgeschichte an der Universität Breslau, ist zum ordent-
lichen Professor ernannt worden.

*** Dem Och. Oberregierungsrat Dr. Jl/axJocfto», Direktor
der Berliner Nationalgalerie, ist beim Scheiden aus seinen
Amtern der Stern zum Kronenorden zweiter Klasse verliehen
worden.

%* Der italienische Maler Sartorio ist als Nachfolger
des verstorbenen Professors Brendel an die Kunstschule in
Weimar berufen worden.

* Dr. Theodor v. Frimmel in Wien ist vom Grafen
Arthur Schönborn-Wiesentheid, dem Chef des bayerischen
Zweiges der Familie Schönborn, aus Anlass der Vollendung
seines Verzeichnisses der Gemälde in den Schlössern Wiesen-
theid, Pommersfelden und Gaybach durch den Titel eines
gräflich Schönborn-Wiesentheid'schen Galeriedirektors aus-
gezeichnet worden.

DENKMÄLER.

O Mit der Ausführung des Plans einer Ausschmückung
der Siegesallee in Berlin mit Standbildern brandenburgisch-
preußischer Herrscher, den Kaiser Wilhelm II. bei seinem
vorjährigen Geburtstage kundgegeben hat, ist vor einigen
Tagen begonnen worden. Nachdem Prof. R. Begas zunächst
dem Kaiser die Skizze zu einem allgemeinen Grundtypus für
diese Denkmäler vorgelegt, hat der Kaiser den Bildhauern
Walter Schott und Max Ungcr den Auftrag erteilt, Skizzen
für zwei Denkmäler anzufertigen, nach deren Prüfung durch
den Kaiser die Ausführung in Tiroler Marmor erfolgen soll.
Als Kosten für jedes Denkmal sind etwa 50 000 M. in Aus-
sicht genommen. Die beiden ersten Standbilder sollen die
Markgrafen Albrecht den Bären und Otto I. darstellen.
Hinter jedem Standbild soll eine halbkreisförmige Bank auf-
gestellt werden, die durch zwei Hermen hervorragender
Männer aus der Zeit der betreffenden Fürsten in drei Ab-
schnitte geteilt werden wird. In jedem Jahr sollen zwei
Denkmäler ausgeführt werden.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

A. R Der Landschaftsmaler Karl Heffner, der jetzt
seinen Wohnsitz in der Nähe von Florenz aufgeschlagen hat,
hat bei Eduard Schulte in Berlin 68 Landschaften und land-
schaftliche Studien ausgestellt, die Früchte einer fünfjährigen
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