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Zeitschrift für christliche Kunst — 29.1916

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Vogts, Hans: Das Minoritenkloster zu Merl
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Bücherschau
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30

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST.

Nr. 2

noch eine in der Sakristei eingemauerte Inschrift ausweist. Aus gleicher Zeit
stammen das Marmortaufbecken, ein von dem Würzburger Kanonikus Matheus
Junck 1756 geschenkter Rokokokelch, ein von Hr. Derich und Margaretha Junck
1757 gestiftetes Weihrauchgerät und andere Arbeiten der Kleinkunst.

Die Kirche mit dem anschließenden Kloster bietet noch jetzt ein bedeuten-
des, eigenartiges Architekturbild. Großartiger war die Wirkung dieses Bildes bis
vor einigen Jahren, solange sich vor dem westlichen Giebel die alte, mit ihrem
Wipfel den Dachfirst überragende Linde, ein Stolz des Ortes, erhob. Der
prächtige Baum, der im Jahre 1904 durch ein Unwetter zu Fall kam, ist wenigstens
in photographischen Aufnahmen überliefert. Dr. Ing. Hans Vogts.

BÜCHERSCHAU.

Die Basilika San Francesco in
A s s i s i von Beda Kleinschmidt.
— Verlag für Kunstwissenschaft Berlin
W 50, Kurfürstendamm 14/15. — Sub-
skriptionspreis pro Band geb. in Leinen
mit reicher Vergoldung 100 M. (später

125 ML).

Von diesem, Sr. Heiligkeit Papst Benedikt
XV. gewidmeten Prachtwerke, welches eines
der populärsten Heiligtümer der Welt, eines
der bedeutungsvollsten italienischen Kunst-
denkmäler des Mittelalters mit deutscher
Pietät und Gründlichkeit behandelt, liegt der
Erste Band vor, der sich zunächst be-
schäftigt mit der Geschichte (Entstehung
und Entwicklung) der Kirche und ihrer
Anbauten, für die sich aus der Durchfor-
schung des „Archivs" manche neue Fest-
stellungen und Annahmen ergeben. Archi-
tektur und Skulptur, also Bau-
beschreibung, baugeschichtliche Erörterungen,
und die plastischen Werke bilden den II.
Hauptteil; das Kunstgewerbe: Glas-
malereien, Holzarbeiten und Kirchenschatz
den Schluß. — Die Behandlung der Fresken,
die eine Welt für sich bilden, bleibt dem
II. Band vorbehalten, der auch die Regesten
bringen soll zu den im I. Band benutzten
Archivalien.

Dem Verfasser darf das Zeugnis ausgestellt
werden, daß er die längst dringliche Aufgabe
groß aufgefaßt, nicht nur mit Liebe, sondern
auch mit Gründlichkeit behandelt hat, das
alte, gerade durch seine Überfülle kritische
Material sorgsam sichtend und durch zahl-
reiche neue Ermittelungen ergänzend. — Das
Verzeichnis der benutzten Handschriften und
Bücher läßt den Umfang der Forschung er-
kennen und das Verzeichnis der (375) Text-
abbildungen und (26) Tafeln, unter denen

manche Farbendrucke, beweist das Bestreben,
dem beschreibenden Text das illustrierende
Bild in möglichst großer Ausdehnung und
schärfster Wiedergabe beizufügen, so daß
hier eine nahezu vollkommene Leistung vor-
liegt, wie sie bei diesem Verlage üblich ist. —
Dieser Vorzug darf sogar auf die Farben-
drucke ausgedehnt werden, für die, zumal
wenn es sich um alte Glasgemälde handelt,
die Farbenstimmung den größten Schwierig-
keiten unterliegt, die natürlich durch das
Transluzide, namentlich der bläulichen und
grünlichen Hintergründe noch vermehrt wer-
den, so daß sie an die geradezu meisterhafte
Wiedergabe der alten Wandfresken (wie des
Brustbildes der hl. Franziskus von Simone
Martini) nicht heranreichen können. — In
Verbindung mit der Architektur wird be-
sprochen, was ihr unmittelbar als Schmuck
dient, wie Boden- und Wandbelag, die teils
aus Marmor, teils aus Majolika, sogar aus
farbigen Glasflüssen (meistens in musivischer
Gestaltung) zusammengesetzt sind, wie hier
überhaupt eine Fundgrube für Techniken, in
deren Ausdehnung auf manche Einrichtungs-
gegenstände, Papstthron, Altäre, Gestühl etc.
— Insoweit sie metallischer und textihscher
Art sind, finden sie sich in dem Kirchenschatz,
der aus liturgischen Gefäßen und Geräten,
namentlich Rehquiaren, wie aus Gewändern,
Geweben, Stickereien, Spitzen besteht, die
zum größeren Teile italienischer Herkunft
sind, eine achtunggebietende Schatzkammer,
und dennoch nicht allerersten Ranges, weil es
auch hier an Entfremdungen nicht gefehlt hat.
Das literarische Denkmal, welches der
frühere Präzeptor der Kunstgeschichte und
jetzige Ordensprovinzial der Schöpfung seines
Ordensstifters, dessen Sepulkrum und Palla-
dium gewidmet hat, ist desselben nach Inhalt
 
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