Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Zeitschrift für christliche Kunst — 29.1916

DOI article:
Sauer, Joseph: Das Altarbild des Meisters von Messkirch in der Stadtkirche zu Messkirch
DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.4343#0061

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Nr. 4____________ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST.____________49

DAS ALTARBILD DES MEISTERS VON
MESSKIRCH IN DER STADTKIRCHE

ZU MESSKIRCH.

(Mit 1 Tafel und 2 Abbildungen.)

Das bekannte Tafelbild der „Anbetung der drei Könige" zu Meßkirch ist
in den letzten Monaten einer sorgfältigen Wiederinstandsetzung durch
Kunstmaler Mezger in Überlingen, unterzogen worden. Der stark getrübte
und trübende Lack, der 1845 durch den Münchener Restaurator Mattenheimer
aufgetragen wurde, ist entfernt und die aufgeworfenen oder gelockerten Farb-
stellen sind mit dem Grund wieder gut befestigt worden. Bei dieser Arbeit hat sich
hinreichend Gelegenheit geboten, das Bild auf seine Malweise und seine künst-
lerischen Qualitäten hin etwas näher zu untersuchen und vor allem auch der
Frage einer etwaigen Signierung näher zu treten, als es bisher möglich war.

I.

Der Zustand des Tafelbildes ist, um das gleich vorweg zu nehmen, hervor-
ragend gut. Die ursprüngliche Malerei sitzt in fast noch völlig geschlossener
Schicht auf dem Grund. Im Gegensatz zu den Donaueschinger Tafeln, die sehr
erhebliche Flickstellen aufweisen, ist das Meßkircher Bild nur an wenigen kleinen
Stellen ausgebessert worden. So an der rechten Hand und rechten Schläfe des
knienden Königs, quer über das untere Ende seines Hermelinkragens; an der
ganzen hellen Fläche des Mantels der Madonna unter dem Kind und noch weiter
abwärts; an einer kleinen Stelle links von dem Turban des mittlem Königs und
weiter noch nach links am Pilaster. Kleinere Retuschen an untergeordneten
Stellen lassen sich auch sonst noch wahrnehmen. Der Restaurator hat leider bei
seiner Flickarbeit1 eine stark nachdunkelnde und vor allem nicht transparente
Farbe verwendet, so daß die Spuren seines Eingriffes sich nirgends verheimlichen
ließen. Abgesehen von den genannten Stellen ist das Bild unberührt geblieben
von Ausbesserungen oder Auffrischungen. Nach Entfernung des Lackes ist die
Temperafarbe in ihrer ganzen leuchtenden Frische wieder zum Vorschein ge-
kommen, so daß ich glaubte, von einer neuen Lackierung absehen zu müssen, die
doch immer eine Nachbräunung und -dunkelung zur Folge haben würde. Das
Bild ist jetzt unter ein schützendes Glas gebracht; die Befürchtung, daß das Re-
flexlicht die Besichtigung stark beeinträchtigen könnte, hat sich glücklicherweise
als grundlos erwiesen.

Die Tafel ist seiner Zeit gleich fertig gerahmt, abgeliefert worden und auch
schon grundiert. Das ergibt sich aus der haarscharfen Absetzung des Kreidegrundes
gegen den durch den Rahmen verdeckten Rand. Daß diese Grundierung besonders
hervorragende und einzigartige Qualitäten aufweise („gleichmäßig, sprunglos,
steinhart, glanzausstrahlend"), wie P. P öl 1 mann2 seiner Zeit hier dartun

1 Aus den Akten im Pfarrarchiv zu Meßkirch ergibt sich, daß Mattenheimer peinliche
Sorgfalt bei seiner Arbeit anwandte und namentlich jede eigentliche Ubermalung vermied. Er
schreibt das Bild dem Hans Schäuffelin zu und bemerkt, daß es in München bei Kennern
großes Aufsehen gemacht habe. Für die jetzige Instandsetzung gebührt Herrn Mezger
weitgehendste Anerkennung. — ' Zeitschr. f. christl. Kunst XXI (1908), Sp. 267.
 
Annotationen