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Zeitschrift für christliche Kunst — 29.1916

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Vogts, Hans: Eine Nachricht über die Entstehung des Klarenaltars
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https://doi.org/10.11588/diglit.4343#0103

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Nr. 6____________ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST.____________89

EINE NACHRICHT ÜBER DIE ENT-
STEHUNG DES KLARENALTARS*.

E

ine bisher selten aus dem Dunkel des Magazins ans Licht gezogene Hand-
1 schritt des Kölner Stadtarchivs, die „Rhapsodiae Colonienses" des viel-
seitigen und gelehrten Dechanten ad gradus b. Mariae virg. Georg
Braun, Bd. 44 der Alffterschen Sammlung, enthält in einem wahrscheinlich
um 1590 geschriebenen Abschnitt eine wertvolle Bestätigung und Ergänzung der
Annahmen über die Entstehung des Kölner Klarenaltars, die Firmenich-Richartz
in dieser Zeitschrift1 auf Grund der in den Jahren 1908/9 erfolgten Wiederher-
stellungsarbeiten an dem kostbaren Werk machte und die man wohl seitdem als
ein Fundament unserer Kenntnis von der Entwicklung und Geschichte der Kölner
Malerschule ansehen kann. Brauns Angaben (bei seinen Bemerkungen über das
Kölner Klarissenkloster) lauten in der Übersetzung aus dem Lateinischen ungefähr so:

„Dieses Kloster gründete eine Gräfin von Geldern, die auch seine erste Äbtissin
war, namens Bela, und zwar im Jahre 1347, wie es zweifach im inneren
Chor der Nonnen auf kupfernen Platten2 zu lesen ist, die auf dem zweiten Altar
wie auch auf dem Hochaltar angebracht sind, den sie mit Aufwand alter Kunst-
fertigkeit hervorragend verschönt hat; auch ließ sie in ihrem frommen Eifer heilige
Reliquien mit Perlen und kostbaren Steinen fassen, welche die gräfliche Gründerin
und ihre Schwester Philippa, die auch m das Kloster eingetreten war, an ihrer
Kleidung getragen hatten, bei welcher Gelegenheit ihnen die Äbtissin des Ursula-
stifts zwölf heilige Gebeine verehrte. Aus einer sehr alten Fensterscheibe im
Refektorium geht hervor, daß die Äbtissin-Gründerin eine Blutsverwandte (ger-
mana) des Grafen Adolf von Berg war."

In diesen Zeilen sind mehrere nachweisliche Irrtümer enthalten, die darauf
schließen lassen, daß der Dechant bei ihrer Abfassung, entgegen seiner sonstigen

* Infolge militärischer Einberufung an weiterem Studium der Angelegenheit verhindert,
wurde ich durch freundliche Mitteilungen seitens des Fräuleins Dr. von Winterfeld und der
Herren Prof. Dr. Keussen und Architekt Hans Pesch in Köln unterstützt, wofür ich auch an
dieser Stelle meinem lebhaften Dank Ausdruck verleihen möchte.

1 Zeitschr. f. christl. Kunst XXI (1908), Sp. 321 ff., zur Wiederherstellung des Klaren-
altares.

2 in lamine erea, quae duplex imposita est maiori et summo altari, q u o d
antiquo sumptu egregie illustravit. — Es könnte sich dabei um ein Täfel-
chen am Altaraufsatz, vielleicht in Verbindung mit dem Tabernakel, handeln, wahrscheinlicher
aber um eine Kupfertafel — an ein anderes Metall als Kupfer oder Messing läßt sich wohl nicht
denken —, die in der Platte der Altarmensa eingelassen war (der Ausdruck lamen deutet wohl
auf eine geringe Ausdehnung). Immerhin möglich wäre auch die Annahme eines größeren
Metallschmucks, etwa mit Wappen und Inschrift, als Antependium oder einer Umschrift auf
Kupferbändern ähnlicher Art, wie solche bei Grabplatten, besonders in den Niederlanden, vor-
kommen, wenn auch derartiger Schmuck sonst bei Altarmensen des Mittelalters meines Wissens
nicht bezeugt ist: der ganze Aufbau des Klarenaltars ist ja von großer Eigenart, und zur Gold-
pracht der Gemälde würde ein außergewöhnlicher Aufwand an der Mensa wohl passen.

Mit maiori altari ist vermutlich ein Altar an der Westseite des Nonnenchors gemeint und
von dem Hochaltar, der im Chorschluß stand, unterschieden. Für einen Seitenaltar wäre wohl
eine andere Bezeichnung gewählt. Um nicht auf unsicherem Boden zu bauen, beziehe ich im
folgenden die Jahreszahl immer nur auf die Altarmensa, nicht unmittelbar auf den berühmten
Aufsatz.
 
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