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Zeitschrift für christliche Kunst — 29.1916

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Sauer, Joseph: Das Altarbild des Meisters von Messkirch in der Stadtkirche zu Messkirch
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Schnütgen, Alexander: Niederrheinisches Ziborium der Hochgotik
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https://doi.org/10.11588/diglit.4343#0072

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ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST. Nr. 4

Glaubensartikel zukommt, und bei Chnstophorus dem so wunderbar zum Christus-
glauben Bekehrten. Die mehr ornamentale Malerei auf der Rückseite aber mußte,
wie es die figuralen Darstellungen der Vorderseite konnten, in den hier dem Gottes-
dienst beiwohnenden Gliedern der standesherrhchen Familie die Erinnerung an
Tod und Grab wachrufen. Hier bei diesem Altar zweiten Ranges mochte auch
die Tatsache der nicht zentral behandelten Darstellung des Mittelbildes weniger
stören als bei dem das Zentrum des Kirchenraumes und Ruhepunkt für das Auge
des Andächtigen bildenden Hochaltar. Die einzige Schwierigkeit bildet nur die
Angabe des Anniversarbuches über die Altäre. Indes, glaube ich, ist jene Angabe
auch nicht im strikten Sinne zu nehmen, weil sie mit andern Zeugnissen in einem
gewissen Widerspruch steht, namentlich wenn sie für den Hochaltar als Primär-
titulus die Anbetung der drei Könige nennt, während sonst durchgängig der hl.
Martin als Patron genannt wird. Es will mir scheinen, daß in jener Angabe die
Patrone der wichtigeren Altäre, namentlich so weit für sie Pfründestiftungen be-
standen, als Mitpatrone auch des Hochaltars genannt sind. In jedem Falle kommt
man mit der eben vorgetragenen Annahme über die schwierigsten Unverständlich-
keiten und Unklarheiten hinweg; und wirklich Stichhaltiges wird sich dagegen
kaum ins Feld führen lassen. Sie gibt uns einen dem Programm wie der äußeren
Aufmachung nach einheitlichen Altar. Die übrigen bisher immer mit ihm in Ver-
bindung gebrachten Donaueschinger Figuren könnten daneben mit verloren ge-
gangenen Teilen dem eigentlichen Hochaltar zugeschrieben werden.
Freiburg i. Br. J. Sauer.

NIEDERREINISCHES ZIBORIUM DER

HOCHGOTIK.

(Mit Abbildung.)

A ls willkommne Ergänzung der Ziborienabteilung in der „Sammlung Schnüt-
/ \ gen" (vgl. „Die liturgischen Gemälde und anderen Werke der Metallkunst
■L V in der Sammlung Schnütgen". II. Band, 1913, von Dr. Fritz Witte, Seite 37
bis 40, Tafel 14 bis 21 : 42 Exemplare, von denen 20 dem Mittelalter angehören)
bot sich am Niederrhein das hier abgebildete ungewöhnlich elegante Exemplar,
das um 1400, vielleicht in Köln, entstanden ist. Es zeichnet sich durch den
reichen architektonischen Aufbau, durch sauberste Ausführung und vortreffliche
Erhaltung aus. Seine Höhe beträgt 40 cm, der Sechspaßfuß hat nur 13 cm,
die sechseckige Kuppe nur 8 cm im Durchmesser. Ganz in Silber höchst korrekt
gearbeitet, hat es außer den durch Vergoldung malerisch markierten Partien keinen
farbigen Schmuck, aber in der spielenden Architektur mit üppigem Ornament
einen intimen Dekor, so daß eine durchaus einheitliche, ungemein sympathische
Wirkung sich ergibt, fast zu zierlich für einen kirchlichen Gebrauchsgegen-
stand. — Der Übergang vom glatten Fuß zum Schaftprofil ist durch sechs Nasen
vermittelt, der zarte Knauf mit sechs Buchstabenpasten versehen und ein gezackter
runder Reif bildet den Übergang zu dem getriebenen Kugelsegment, aus dem
malerisch die Kuppa sich entwickelt mit ihrem gravierten geometrischen Fenster-
blenden-Schmuck. Kräftige Eckpfeiler mit herunterhängenden Voluten und krö-
nenden Fialen bewehren die sechs Ecken als Grundstock des ganzen Strebensystems,
 
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