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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0073

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durch Symmetrie miteinander verbundene Dop-
pelung der Raumfunktionen, in der sich die
streng nach Geschlechtern getrennte Pädago-
gik der wilhelminischen Zeit spiegelt. Trotz eini-
ger Umbauten im Innern ist dieser Schulkom-
plex formal und typologisch ein sehr anschauli-
ches Beispiel für den Schulbau des späten
19.Jh. mit einem hohen Maß an erhaltener Ori-
ginalsubstanz, die selbst noch den schmiedeei-
sernen Einfriedungszaun mit einschließt.
Noch um die Jahrhundertwende war der
Geländestreifen zwischen Heinrich- und Roon-
straße, auf dem die Heinrichschule errichtet
worden war, weitgehend frei von Wohnbebau-
ung. In den ersten Jahren des 20.Jh. fand dann
jedoch auch hier eine zügige Aufsiedlung statt,
die 1902 im Verlauf der Roonstraße den Stadt-
park erreicht hatte. Hier hat sich, der Nordwest-
ecke des Stadtparkes gegenüber, mit den
letzten Häusern der Roonstraße und einigen,
dem Stadtpark gegenüber liegenden Häusern
an der Wilhelm-Bode-Straße eine Gruppe von
späthistoristischen, großzügigen Wohnhäusern
erhalten (Roonstraße 17, 18, 19, 20), die trotz
einiger Veränderungen im Detail noch eine an-
schauliche Vorstellung großbürgerlichen Reprä-
sentationsaufwandes geben. Während an dem
verputzten Eckhaus Nr. 17 noch die spätklassi-
zistischen Schmuckformen überwiegen und der
in jenen Jahren einsetzende Heimatstil auf die
der mittelalterlichen Braunschweiger Architektur
entlehnten Vorhangbögen im zweiten Oberge-
schoß beschränkt sind, ist bei dem stilistisch
einheitlich entworfenen Baukomplex Nr. 18, 19
und 20 mit dem Schmuckfachwerk der Giebel

deutlich auf die lokale Tradition des Holzbaues
Bezug genommen. Verbunden werden diese hi-
storistischen Reminiszensen mit applizierten Ju-
gendstilelementen an den verputzten unteren
Geschossen. In verwandten Formen und zeit-
gleich mit den Häusern an der Roonstraße ent-
stand die dem Stadtpark zugewandte Wohn-
hauszeile Wilhelm-Bode-Straße 7, 8, 9, 10 und
11, überdurchschnittlich gut erhaltene Putzbau-
ten mit reichem Dekor, die 1901/02 von Mau-
rermeister C. Gröpler errichtet wurden. Es han-
delt sich um Doppelhäuser, wobei Nr. 11 mit
dem Eckhaus Roonstraße 17 eine Einheit bildet.
Stilistisch stehen auch diese Bauten am Über-
gang zum Jugendstil, der vor allem an einigen
floralen Schmuckelementen zum Ausdruck kommt.
1904 war die Bebauung schon bis über die
Nordflanke des Stadtparkes vorangeschritten.
Hier liegt die Bernerstraße, eine kurze nord-
südlich ausgerichtete Querverbindung zwischen
der Dürer- und Grünewaldstraße, die als jeweili-
ge Verlängerungen der Heinrich- und Roon-
straße in östlicher Richtung an die städtische
Bebauungsgrenze führen. Zwischen 1904 und
1908 wurde die Straße mit viergeschossigen
Wohnhäusern bebaut (Berner Straße 1-10),
eine Gruppe von auch heute noch gut erhalte-
nen Putz- und Putz/Ziegelbauten, zu der auch
die beiden Eckbauten Dürerstraße 29 und Grü-
newaldstraße 2 gehören. Die Bebauung be-
gann 1904/05 an der Südostecke der Straße
mit dem Doppelhaus Berner Straße 10 und
Grünewaldstraße 2, gefolgt von dem nördlich
anschließenden Bau Berner Straße 9, Bauten,
die in ihrem flächigen Fassadenaufriß mit ange-

fügten Baikonen noch ganz in historistischer
Tradition stehen und an denen Jugendstilfor-
men erst andeutungsweise im Putzschmuck er-
scheinen. Die Bauten Berner Straße 1-8 und
das Eckhaus Dürerstraße 29 wurden alle 1908
errichtet und stammen von demselben Archi-
tekten A. Böller. Das Eckhaus an der Dürer-
straße (Nr. 29) und die Bauten auf der Ostseite
der Berner Straße (Nrn. 6-8) hat Böller in ei-
nen Gesamtentwurf vereinigt und mit einer ge-
meinsamen Fassade zusammengefaßt. Erker,
Balkonachsen mit Zwerchhäusern, farbiges
Glas und sparsam eingesetzte Fachwerkele-
mente lockern den vielachsigen Baukomplex
auf und erzeugen ein malerisch abwechslungs-
reiches Fassadenrelief.
Stärker noch als hier sind die Fassaden der
Westseite (Nrn. 1-5) durch Vor- und Rück-
sprünge plastisch geformt, an denen neben
Holz, Glas und Putz zusätzlich der Ziegel als
Gestaltungselement hinzutritt.
Von den Einfriedungen der schmalen Vorgärten
haben sich an den Häusern Nr. 1 und 2 noch
einige Pfeiler erhalten.

HELMSTEDTER STRASSE
Neben dem Fallersleber-Tor im Nordosten gab
es im Südosten mit dem Steintor einen weite-
ren alten Stadtein- und ausgang, Endpunkt des
historischen Fernweges, der von Magdeburg
über Helmstedt und Königslutter die Stadt er-
reicht. Wie an der Gliesmaroder Straße im

Berner Str., Westseite


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