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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0100

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Stelle der Jasperallee und an der Moltkestraße
wurde auch dieses Bauprojekt von der Firma
Fröhlich und Baumkauff geplant und ausge-
führt. Nach Erstellung eines Gesamtentwurfes
wurden die elf Häuser in drei Bauabschnitten
errichtet, wobei 1891 mit den mittleren fünf Ge-
bäuden begonnen wurde, dem Teilabschnitt,
der den risalitartig leicht vorspringenden Mittel-
teil mit drei vierachsigen Häusern und jeweils
das erste der rechts und links daran an-
schließenden Reihe dreiachsiger Häuser umfaßt
(Nrn. 11, 12, 13, 14, 15). Die Komplettierung
der Zeile mit jeweils gestalterisch hervorgeho-
benen Endbauten erfolgte in westlicher Rich-
tung 1893 und im Osten 1894. Mit Flach-
dächern, Attiken über Mittel- und Seitenrisaliten
sowie unterschiedlich gewichtender Verteilung
der spätklassizistischen Putzgliederungen hatte
die Häuserreihe in ihrer ursprünglichen Form
Ähnlichkeit mit einer Palastfront. Individuelle
Veränderungen der einzelnen Eigentümer, wie
Terrassenvorbauten und Garageneinbauten,
führten schon bald nach Fertigstellung der An-
lage zu ersten Eingriffen in das vereinheitlichte
Gesamtkonzept, die sich später in der Wieder-
aufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg ver-
stärkt fortsetzten. 1895 bzw. 1897 wurde diese
Zeile an den Rändern durch zwei dreigeschos-
sige Miethausbauten eingefaßt, die jeweils an
der Einmündung der Kasernen- und der Stein-
brecherstraße errichtet wurden und die zusam-
men mit den „Bremer Häusern“ eine Denkmal-
gruppe bilden. Während das von F. Weidner
bereits 1895 errichtete Doppelhaus Jasperallee
19/ Steinbrecherstraße 3 als Ziegelbau mit
klassizistischen Putzgliederungen Farbigkeit

und Stil der „Bremer Häuser“ aufgreift, zeigt der
zwei Jahre später entstandene verputzte Eck-
bau an der Kasernenstraße bereits die Formen
der deutschen Renaissance. Bestehend aus
drei Häusern (Jasperallee 7, Kasernenstraße
31/32) entwarfen hier die Architekten Rasche
und Kratzsch einen stilistisch einheitlichen
Komplex, der mit einer offenen Säulenloggia an
der Südostecke des Gebäudes auf die Vorgär-
ten der „Bremer Häuser“ Bezug nimmt. Jasper-
allee 19 hat 1982/83 im Zusammenhang mit
einem Dachgeschoßausbau in der Mittelachse
der Südfassade einen viergeschossigen Glaser-
ker erhalten, der das spätklassizistische Er-
scheinungsbild des Baues heute erheblich be-
einträchtigt.
Im weiteren Verlauf der Jasperallee wurde der
Straßenabschnitt zwischen Steinbrecherstraße
und der Kreuzung mit der Ringstraße auf bei-
den Seiten ebenfalls mit stilistisch einheitlichen
Wohnhäusern bebaut, den sog. Till’schen Häu-
sern, von denen auf der Nordseite noch sieben
und auf der Südseite noch vier erhalten sind
(Jasperallee 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26 sowie
66, 67 und 70, 71). Modern erneuert sind aber
auch an diesen Bauten die im Krieg zerstört ge-
wesenen Dachzonen sowie viele Details an Bai-
konen und Erkern. Die Bauten in ihren gegen-
wärtigen Formen können daher nur noch eine
allgemeine und unvollständige Vorstellung von
der einstigen Geschlossenheit des Gesamtent-
wurfes geben. Architekt dieser umfangreichen
Wohnanlage und für die Häuser Nrn. 70 und 71
auch Bauherr war Julius Till, der für eine ganze
Reihe weiterer Bauherren 1889 den Bauantrag

für das gesamte Projekt stellte. Die dreige-
schossigen Wohnhäuser mit Sechs- bis Sie-
benzimmer-Etagenwohnungen waren im Aufriß
so entworfen, daß die einzelnen Hausgrenzen
optisch verschütten und der Eindruck einer ein-
zigen langen Fassade erzeugt wurde, die in der
Mitte und an den Enden durch besonders opu-
lente Formgebung ausgezeichnet war. Auf der
Nordseite markierte das Zentrum eine von
Türmchen flankierte Gratkuppel, der auf der
Südseite ein reich ornamentierter Zwerchgiebel
entsprach. Besonders aufwendig und städte-
baulich am wirksamsten gestaltet waren die
heute durch Neubauten ersetzten Eckbauten
am Hagenring, die, als einzige viergeschossig
errichtet, mit überreichem Dekor und hohen
Dachausbauten hier einen verspielt prachtvollen
Akzent setzten. Auch wenn die heute noch exi-
stenten Teile dieser Gesamtplanung nur noch
einen schwachen Abglanz der einstigen wilhel-
minischen Prachtentfaltung vermitteln können,
sind sie dennoch ein anschauliches Dokument
großbürgerlichen Wohnungsbaues der Jahr-
hundertwende und vor allem unter städtebauli-
chem Aspekt erhaltungswürdig.
Auf ihrer Südseite enthält die Jasperallee west-
lich der Ringstraße noch eine weitere, städte-
baulich wirksame Gruppe von Mietshäusern
aus der Zeit der Erstbebauung, die die Einmün-
dung der Kasernenstraße rechts und links flan-
kiert und sich mit dem Doppelhaus Kasernen-
straße 33/34 noch ein Stück in diese Seiten-
straße der Jasperallee hineinzieht. An der
Jasperallee gehören zu dieser Bautengruppe
die Häuser Nrn. 78, 79 und 80 östlich der Ein-




Jasperallee ab Nr. 20, 1889, Arch. J. Till

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