Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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EIGENHAUS UND EIGENWOHNUNG

VORWORT DES HERAUSGEBERS

nläßlich des erften Heftes des neuen Jahrganges mögen mir einige
Worte perfönlicher Art gemattet fein. Sie knüpfen an die Ab-
bildungen nach meinem kürzlich erbauten Wohnhaufe an, die im
vorliegenden Heft enthalten find, und fie mögen damit begründet
fein, daß das Eigenhaus im Leben eines jeden Menfbhen einen wichtigen Ab-
lehnte bildet. Mit diefem Eigenhaufe ift ein jahrelang zurückliegender Wunlbh
in Erfüllung gegangen, der mir als dem Herausgeber zweier Kunftzeitlchriften,
die feit Jahrzehnten für die Pflege und perfönliche Geftaltung des Heims ein-
treten, gewitfermaßen von Beruf wegen näher liegen mußte als jedem andern
Kunftfreund. Ein Menfchenalter ift im Warten auf feine Erfüllung vergangen;
mehr als einmal Ichienen die Zeitverhältnilfe darnach angetan, ihn in nichts
zerflattern zu laflen. Tro$ allem aber ward das Ziel feilgehalten, und das
Warten war keineswegs tatlos. Einmal, vielleicht ganz unvermutet könnte doch
die Zeit der Erfüllung kommen! So wurden die langen Jahre des Wartens
genutzt zum Sammeln von Kunftwerken, die alle für das künftige Eigenheim
beftimmt fein follten: Bilder, Plaftiken, Möbel, Teppiche, Kunftgegenftände aller
Art kamen, wie fich gerade die Gelegenheit bot, zufammen. Im neuen Heim follte
dann alles feine wahren Dienfte leiften, bzw. zur vollen Geltung gebracht werden.

Da bot fich mir unerwartet die Gelegenheit, ein benachbartes Grundllück
zu erwerben. Ich befprach mit dem Architekten Plan und Bau, und im
Sommer 1925 konnte ich mein Haus beziehen. Die gelchilderte fammlerifche
Vorarbeit erwies fich damit als fehr mitbringend. Ich weiß, daß auch andere,
und befonders Sammler, in gleicher Weife vorgegangen find, und ich glaube
daher, daß jeder die mehr oder weniger lange Wartezeit bis zur Erfüllung
feiner höchften Wohnungs-Wünlche zu einer folchen Vorarbeit nutzen follte. Auf
diefe Weife gewinnt das neue Heim, wenn es eines Tages ins Bereich der Wirk-
lichkeit rückt, fogleich die Würde und das Gewicht einer perfönlichen Tradition.



Es ift kein Zweifel, daß nur im eigenen Haus die Idee des Wohnens
zur eigentlichen Erfüllung kommt. Denn »Wohnen« heißt leben in einem Raum-
gefüge, das nicht nur objektiv gepflegt und gefchmackvoll ift, fondern auch eine
beftimmte formale Beziehung zu uns felbft befitjt. Nur im eigenen Haufe kommen
die prägenden, formgebenden Kräfte zu freier Auswirkung. Die Mietwohnung
hat das Streben, uns Kompromiffe aufzunötigen. Ginge die Fortbildung der
Wohnkultur nur auf der Linie der Mietwohnung und ihrer befchränkten Mög-
lichkeiten vor fich, fo würde fie fich längft auf mittlere Ziele eingeftellt und
bei halben Ergebniflen beruhigt haben. Das eigene Haus nur kann das Ziel
unverkürzt ins Auge fäffen: es gewährt Freiheit nicht nur dem Belker, der
feine Lebensftimmung ausprägen will, fondern auch dem Baukünftler; diefem
ftellt es die einzige Aufgabe, auf deren Löfung fchließlich alles ankommt.
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