Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

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INNEN-DEKOR ATION

UNTERWEGS - DAHEIM

Die fortschreitende Entwicklung der Verkehrs-
technik, das wachsende Vertrautsein mit D-Zug-
Abteil, Auto und Flugkabine haben uns beweglicher
und die Entfernungen rings um uns kleiner werden
lassen. Sie bilden einen starken Ansporn für unsre
Reiselust, und aus dieser hinwiederum erwuchs
zweierlei: sie entführt uns den vertrauten, persön-
lichen Räumen des eigenen Heims und - läßt uns zu-
gleich dessen Atmosphäre und Annehmlichkeit dop-
pelt empfinden, in diesem Falle also: vermissen. Nie
und nirgends spüren wir die Wohnlichkeit und die
Bequemlichkeit unseres Zuhause stärker, als wenn
dieses uns nicht umgibt.

Dem Gast die vertraute Wohnlichkeit des eigenen
fernen Heims zu ersetzen ist Ziel und Zweck des
vorbildlichen Hotels, das dem Reisenden nicht nur die
Möglichkeit einer nächtlichen Unterkunft bieten will,
sondern über die bloße Schlafgelegenheit hinaus um
sein Wohlbefinden besorgt ist.

Nach der Erledigung der geschäftlichen Formalität
an der Anmeldung gewährt die Halle dem Eintreten-
den den ersten, wichtigsten Eindruck des Hauses. Sie

wird von diesem sozusagen als seine Visitenkarte dar-
geboten. Diese Halle soll bereits das Gefühl erwecken,
in dem Hotel einen Ersatz für die häuslichen Wohn-
räume zu finden, ja, sie kann jene selbst ersetzen, und
muß, um diesen Zweck erfüllen zu können, ihrem
Charakter verwandt sein. Die Hotelhallen, denen man
auf Reisen begegnen kann, erwecken oft den Ein-
druck ratloser, um ihr wirkliches Wesen verlegener,
mehr oder minder geräumiger Säle, die irgendwie an
Warteräume gemahnen und in denen unsichtbar,
doch ständig spürbar eine Riesenuhr zum Aufbruch
mahnt. Durch sie hindurch wandert bewußt oder un-
bewußt die Sehnsucht nach einem heimeligen Kamin-
platz, einer wohnlichen Sitzecke . . . Ein Bordbrett
mit ausgewählter Keramik, mit schönem Porzellan
kann so wunderbar an »zu Haus« erinnern, eine ge-
schmackvolle Sesselzusammenstellung im formschö-
nen, hellen Raum so leicht Behaglichkeit schaffen.
Das Gefühl der Fremde bringt der Reisende von selbst
mit herein, man braucht es nicht zu unterstreichen.
Im Gegenteil! Man muß in ihm die Überzeugung
wachrufen, daß er daheim ist: daheim unterwegs. . .
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