Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT HUBERT QUERNER —THEMAR (TH.) ARBEITSRAUM EINES MÖBELFABRIKANTEN

KOMBINATIONSMÖBEL

Eins der reizvollsten Spiele, die es gibt, ist das türlich kann man die Möbel in einem Zimmer abso-

Wohnung-Einrichten. Wer hat nicht schon er- lut sinnlos aufstellen - aber wie viele verschiedene

fahren, was es für eine Lust ist, wenn sich in der neu- Möglichkeiten gibt es zu ihrer sinnvollen und ästhe-

gemieteten Wohnung aus den Stücken, die die Möbel- tisch wirksamen Anordnung! Und schließlich, wenn

männer die Treppe heraufschleppen, langsam Raum die Einrichtung beendet ist, stellt sich fast ein Be-

um Raum gestaltet! Erst ein kahles Gehäuse, das vor dauern ein, daß man nur eine dieser Möglichkeiten

Öde gähnt - aber da ist eine prachtvolle Ecke für die hat benutzen können.

zwei kleinen gepolsterten Sitzbänke und den Tee- Es ist, als hätte dem Architekten Hubert Quem er
tisch davor, und jetzt breitet sich zwischen zwei Fen- dieses Bedauern im Sinn gelegen, als er die kombinier-
stern der Schreibtisch aus mit seiner behaglichen baren Möbel-Einheiten ersann, von denen wir einige
Fläche, und sieh da, die Stehlampe und der Spieltisch hier abbilden. Denn mit diesen Möbel-Einheiten läßt
dabei haben sich schon häuslich niedergelassen und sich noch leichter als mit den Möbeln der geläufigen
»bilden Gruppe«. Möbel haben etwas von Haustieren: Art das Spiel »Wohnung-Einrichten« durchführen und
Wenn die Menschen beim Einrichten einer neuen wiederholen. Vergessen wir nicht: Es ist ein reiner
Wohnung noch lang in Unruhe sind, verbreiten sie Aberglaube, daß unsere Stuben immer die Möbelein-
schon eine Atmosphäre von Dauer und stillem Be- teilung behalten müssen, die sie am Tag des Einzugs
hagen um sich her. Und dann ist immer beim Ein- bekommen haben. Selbst wenn keine äußeren Um-
richten ein nettes Erlebnis, wie die Räume und die stände (wie Familienzuwachs oder Verlegung des
Sachen einander helfen und entgegenkommen. Fabel- Schlafzimmers oder Neuanschaffungen) zur Um-
haft, wie das niedliche Glas-Eckschränkchen sich in möblierung zwingen: man sollte sich ein paarmal im
diesen Winkel klemmt! Und wie die Wand auf einmal Leben die geistige Aufpulverung gönnen, die darin
ihren architektonischen »Sinn« entfaltet zwischen den Hegt, wenn man den gewohnten Räumen durch eine
zwei Bücherregalen! Und wie haargenau die Truhe neue Möbelverteilung (verbunden mit einer Erneue-
in den Raum zwischen Tür und Liegesofa paßt! Na- rung der Tapeten, Teppiche Gardinen und des Wand-
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