Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

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PORZELLAN-DOSEN VON FRITZ VON STOCKMAYER

Das Bestreben, wertvolle und doch erschwing-
liche Schmuck- und Kunstgegenstände auf den
Markt zu bringen, ist heute naturgemäß sehr groß.
Es soll und muß dabei der Kaufkraft weiter Kreise
Rechnung getragen werden.

Fritz von Stockmayer, der neue Leiter der
»Kunstabteilung Rosenthal« in Selb, der sich als Por-
zellanmaler und sicherer Kenner der Materie längst
einen Namen gemacht hat, legt hier zwei kleine Por-
zellandosen eigener Entwürfe vor. Es sind einfache
Zierformen, die auf die wenigen Urelemente der Ge-
fäße zurückgehen, sie sind gering gerändert und vor
allem recht porzellanig in ihrer kugeligen oder
becherförmigen Form. Die Griffe der Deckel tragen
streng stilisierte Blumen, Glockenblumen etwa, oder
Früchte; die reine Naturwiedergabe ist sehr glücklich
vermieden, vielmehr sehen wir uns hier einer Stili-
sierung gegenüber, die man als durchaus richtig be-
zeichnen kann, weil sie naturnahe, werkgerecht, aber
nicht naturnachgeahmt oder schlecht empfunden ist.
Diese mattgetönten, oberglasurgemalten Griffe geben
den einfachen Körpern der Dosen eine Belebung, die
die Stücke recht persönlich und liebenswert macht.

Man darf annehmen, daß mit der Berufung Fritz
von Stockmayers auch in der »Kunstabteilung Rosen-
thal« die Kollektionen überholt werden, damit auf

diese Weise die rühmlichst bekannte Abteilung an
Festigung ihres Rufes gewinnt. Die neuen Kleinpla-
stiken, Kunst- und Geschenkgegenstände, die bei-
spielsweise auf der Leipziger Messe gezeigt wurden
(und wozu die hier abgebildeten beiden Dosen gehör-
ten), haben in großen Zügen den Weg umschrieben,
den man einzuschlagen gedenkt. Es ist der Weg zur
sachlich schönen, durch organisch eingefügte Dekore
oder Ornamente belebten Form. Stockmayers Art
nun, sich aus dem Wuchs und Wesen der Pflanzen
die stilistischen Grundlagen seiner Dekore und Orna-
mente zu holen, dabei aber souverän und phantasie-
voll vom naturgegebenen Vorbild abzurücken, es frei
schaffend umzudichten, ist schon schulbildend gewor-
den. Sie stellt ein ungemein belebendes Element dar,
dessen Auswirkung nicht nur für die Kunst Rosen-
thals mit Freuden abzuwarten sein dürfte.

Man konnte übrigens auf der Messe auch eine
Schau »25 Jahre Rosenthal-Kunst« kennenlernen,
einen Durchschnitt nicht nur durch die Arbeit dieser
Abteilung, sondern gewissermaßen durch einige Jahr-
zehnte deutschen Kunstgewerbes überhaupt; hier
konnte man sehen, wie gerade einzelne Porzellan-
künstler stilbildend gewesen sind, und es ist für
uns kein Zweifel, daß auch Fritz von Stockmayer in
solchem Sinne fruchtbare Arbeit leisten wird. h. f.-h.

»PORZELLAN-DOSEN« ENTW. FRITZ VON STOCKMAYER, AUSF. PH. ROSENTHAL & CO. AG.-SELB
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