Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

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INNEN-DEKO RATION

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EINGELASSENE VITRINE AUS VERGOLDETEM HOLZ
ENTW. JOS. HOFFMANN, AUSF. WERKSTATTE M.WELZ

DIE VITRINE. Es gibt wohl kaum einen mo-
dernen Menschen, der das Zweckmäßig-
Schöne der neuzeitlichen Raumgestaltung nicht
anerkennen würde, der nicht zugeben müßte, daß
sie unserem heutigen Lebensstil wirklich ent-
spricht. Wir wohnen in licht- und luftdurchflute-
ten Räumen, die glatten Möbel geben den Zim-
mern im Verein mit den hellen Wänden etwas
Nüchtern-Behagliches, Teppiche, Vorhänge und
Beleuchtungskörper vollenden den harmonischen
Eindruck. Stehen am Fenster noch einige grüne
Pflanzen, am Kamin ein paar alte Leuchter und
auf dem Tisch eine schöne Keramik, so wird
auch der ästhetisch Anspruchsvolle befriedigt
sein. Mit einem Aufatmen konstatieren wir, daß
die Ära der vielen frei herumstehenden Nippes
und Bibelots endgültig versunken ist.

Wären jedoch damit die schönen, kunstvollen
Dinge selbst aus der Wohnung verbannt, so be-
deutete dies eine große Einbuße. Das sind sie aber
keineswegs. Sie sind nur sozusagen geflüchtet,
all die erlesenen Erzeugnisse aus Glas und Por-
zellan, aus Elfenbein und Silber. In der Vitrine
finden wir sie wieder.

Wie sieht nun so eine moderne Vitrine aus ?
Gibt es einen bestimmten Typ, so wie es etwa
einen Typ des Bücherschrankes gibt?

Nein, das gibt es nicht. Vielmehr heißt es hier

streng individualisieren. Und zwar sowohl in Hinblick
auf die Gegenstände, die die Vitrine aufnehmen soll,
wie in Hinblick auf den Raum, in dem sie zur Aufstel-
lung gelangt. Es gibt Vitrinen, die auf Konsolen ruhen,
niedrige, langgestreckte und hohe mit schmaler Basis.
Andere, ebenfalls auf Konsolen ruhende Aufsätze sind
nur zum Teil als Vitrinen gedacht, zum anderen Teil
enthalten sie Schubfächer und Laden. Daneben finden
wir Schaukästen, die ganz aus Glas bestehen, bei an-
deren ist das Glas in schmale Holz- oder Metalleisten
gefaßt. Wieder andere sind zum Hängen eingerichtet.

Eine hübsche Lösung ist auch der in die Wand ein-
gelassene Schaukasten, den man in beliebiger Größe
ausführen kann. Dabei gelangt für die Randleisten die-
selbe Holzart zur Verwendung, die die Möbel aufweisen.

Besonders anmutig wirkt eine solche Vitrine, wenn
die Rückwand, die von der Wand des anstoßenden
Zimmers gebildet wird, durch Glas ersetzt wird, wo-
durch die ausgestellten Gegenstände in beiden Räumen
- und zwar sehr effektvoll — zur Geltung kommen. In
einzelnen Fällen kann die Vitrine auch das Mittelstück
des Raumes bilden, also ganz frei stehen. Doch ist hier
besondere Vorsicht am Platze, weil mit dieser Anord-
nung eine grundlegende Verschiebung in den Bezie-
hungen zu den anderen Dingen des Raumes entsteht.

ARMSESSEL IN WEISSEM SCHLEIFLACK MIT BLATTGOLD
ENTW. JOS. HOFFMANN, AUSF. WERKSTATTE MAX WELZ
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